KW 08: Antonia Rados startet Frauenclub, am 29. Februar ist Equal Care Day, Simone Menne über Female Leadership

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Vorbilder spielen eine bedeutende Rolle. Wenn man mit Bildern aufwächst, die den Weg von Frauen in Stereotypen zeigen, kann es schwer sein einen neuen Weg für sich zu erdenken. Das Teilen von weiblichen Werdegängen jenseits der Klischees zur Berufswahl, kann helfen, um mehr Diversität zu erzielen. In der Realität sind Stereotype fest zementiert. Die Friedrich-Naumann-Stiftung fand heraus, dass Frauen in Schulbüchern wirtschaftlich als Kundinnen und fast nie als Arbeitgeberinnen dargestellt werden. Dabei geht es anders – Simone Menne, Aufsichtsrätin und Managerin, bietet an bei der Vermittlung in Führungspositionen zu helfen. Tatsächlich gibt es nämlich viele Frauen – sie fliegen nur unter dem Radar vieler Recruiter. Um die Sichtbarkeit von Frauen als Fach- und Führungskräften zu erhöhen, helfen Netzwerke. Die österreichische Fernsehjournalistin und Kriegsreporterin Antonia Rados gründete zu diesem Zweck nun ein eigenes Hub in Wien. Inwiefern sich das Engagement lohnt, wird die Zukunft zeigen. Doch das Experiment ist wichtig – beim Abbau von Klischees geht es schließlich um die persönliche Freiheit seinen Weg gestalten zu können. Dieses Privileg sollten alle Menschen gleichermaßen genießen können.

Ihre Alice Greschkow

Warum Kriegskorrespondentin Antonia Rados ein Hub ausschließlich für Frauen gegründet hat:

Die österreichische Fernsehjournalistin Antonia Rados wurde mehrfach für ihre Arbeit als Auslandskorrespondentin ausgezeichnet. Vor allem aus Kriegsgebieten sind ihre Reportagen und Berichterstattungen bekannt. Nun hat sie im Herzen ihrer Heimatstadt Berlin ein Hub eröffnet – das „A + Friends Social Hub“. Dabei dreht es sich um einen Club ausschließlich für Frauen, bei dem Coaching, Vorträge, gemeinsames Essen, Bücher und Yoga angeboten werden. Männer sind als Redner willkommen und auch beim Familienbrunch am Wochenende – eine Mitgliedschaft ist sonst nicht möglich. Die Idee sei Antonia Rados während eines Vortrags vor weiblichem Publikum gekommen – die Frauen seien aufmerksam, offen und interessiert gewesen. Rados entschloss sich einen Raum zu schaffen, in denen junge und erfahrene Frauen sich begegnen können – auch vor dem Hintergrund, dass ihr selbst weibliche Vorbilder gefehlt haben. Als Pendant zu etablierten Herrenclubs, sollen Frauen sich untereinander austauschen und voneinander lernen. Der Frauenclub soll ein Ort der Inspiration sein, der die Elemente verbindet, für die zwischen Familien- und Berufspflichten wenig Zeit bleibt.
afsocialhub.com, brigitte.de

Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Medizinunternehmen wollen Frauen fördern: Das schweizerische Biotechnologieunternehmen Novartis hat weltweit bereits jetzt 43 Prozent weibliche Führungskräfte – bis 2023 sollen die Top-Positionen paritätisch besetzt sein. Mit der Plattform „Lead and Inspire – Women in Science“ will das Unternehmen Frauen für die Biotechnologie und Wissenschaft begeistern. Novartis habe sich dafür entschlossen Frauen zu fördern, da Diversität gute Ergebnisse bringe, jedoch sei belegt, dass in der Medizinbranche der Schritt zur obersten Etage für Frauen schwierig sei. Novartis hat dabei selbst aktiv daran gearbeitet mehr Frauen in die Entscheidungsgremien zu bringen: noch 2016 lag der Frauenanteil im Aufsichtsrat bei 17 Prozent, mittlerweile liegt er bei 42 Prozent. Auf der Ebene der Geschäftsführung läge der Frauenanteil bei einem Drittel. Doch auch andere Unternehmen wie Roche und Bayer wollen mehr Frauen fördern – sie haben in Führungspositionen 30, bzw. 42 Prozent Frauen. Die Unternehmen engagieren sich in Kooperationen und mit weiblichen Plattformen und möchten die Vereinbarkeit von Familie zu erreichen.
pharmazeutische-zeitung.de

Am 29. Februar ist Equal Care Day: Der Verein klische*esc e.V. initiiert den Equal Care Day 2020 am 29. Februar, um auf die Unterschiede in der unbezahlte Pflege- und Erziehungsarbeit zwischen Männern und Frauen aufmerksam zu machen. Während häufig nämlich vom Gender Pay Gap besprochen wird, wird das Gender Care Gap oft vergessen – dieses beträgt im Extremfall 110 Prozent. Zwar gab es bei der Integration von Frauen in die Arbeitswelt viele Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten, jedoch ändert sich der Unterschied in der Heimarbeit nur sehr langsam. Dies wird auch abgebildet, wenn man Frauen und Männern nach der Motivation fragt, in Teilzeit zu arbeiten – die Mehrheit der Frauen gibt die Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen an, bei Männern ist dieses Muster nicht zu beobachten. Zusätzlich bilden zu 80 Prozent das Personal in Pflegeberufen und kümmern sich um Kinder, Alte und Kranke.
Die Initiative setzt jedoch neben der Care-Arbeit noch einen weiteren Fokus: klischeefreie Berufswahl. Dass die Diskrepanz so stark zwischen den Geschlechtern gewachsen ist, liegt aus Sicht der Initiative auch daran, dass Frauen schon in der Jugend mit geschlechtsspezifischen Prägungen in Richtung Fürsorge und Care-Arbeit begleitet werden.
equalcareday.de

Wirtschaft reagiert verhalten auf Quoten-Vorstoß von Giffey Börsenunternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern sollen im Vorstand mindestens eine Frau haben, zumindest wenn es nach Familienministerin Franziska Giffey geht. Sie erklärte, dass Herrenrunden nicht mehr zeitgemäß seien, eine höhere Diversität jedoch nur mit einer Quote erreicht werden kann. Die Wirtschaft reagiert verhalten auf ihren Vorschlag. Momentan liegt der Frauenanteil in Vorständen von Börsenunternehmen bei etwa zehn Prozent. Das arbeitgebernahe Institut IW halte den Vorstoß für Symbolpolitik mit negativen Konsequenzen. Aus den Reihen der Grünen wird hingegen mehr gefordert – Giffeys Idee würde nur rund 100 Unternehmen betreffen.
tagesspiegel.de

US-Frauen in der Medienbranche sind stark vertreten – außer in der Führungsebene: Eine McKinsey-Studie untersuchte die Repräsentation und die Karriereentwicklung von Frauen in der Medienbranche und fand heraus, dass vor allem junge Frauen in niedrigen Hierarchiestufen die Mehrheit bilden. In Medienunternehmen werden Frauen bis zur Position des Senior Vice-President zum Teil mehr als doppelt so häufig befördert als Männer – in den USA liegt diese Quote für Frauen bei 11 Prozent, bei Männern hingegen bei drei Prozent. Das Bild ändert sich jedoch sobald es um das C-Level geht. Frauen fallen an dieser Stufe zurück und sind mit 27 Prozent in der Minderheit, obwohl in der Branche auf allen sonstigen Hierarchiestufen das Gegenteil der Fall ist. Der Analyse von McKinsey zufolge liegt das auch am Rekrutierungsprozess. Für C-Level-Positionen wird häufig von außen rekrutiert – Männer werden über diesen Prozess häufiger empfohlen und vermittelt.
mckinsey.com

Immer mehr Frauen wollen Försterinnen werden: Es zieht immer mehr Frauen in die Wälder – die Anteile der Frauen in Studiengängen wir Forstingenieurwesen oder Forstwissenschaften steigt kontinuierlich. An der bayerischen Hochschule Weihenstephan-Triesdorf lag die Quote der eingeschriebenen Forststudentinnen 2009 bei 22 Prozent – mittlerweile sind 37 Prozent der Studierenden weiblich. Auch die Universität München verbucht eine steigende Nachfrage: die Absolventinnen machen etwa die Hälfte aus. Das Interesse an Nachhaltigkeit und Naturschutz sei in der jungen Generation gewachsen – dies sei auch ein Grund, weshalb Forststudiengänge auch für Frauen immer attraktiver werden. Die Berufschancen sind dabei nicht schlecht – es gibt viele Förster, die Kinder der Nachkriegszeit sind und dementsprechend bald in Rente gehen werden.
br.de

Dorothee Blessing steigt zur Co-Chefin von JPMorgan auf: Die bisherige Chefin für die DACH-Region, Skandinavien, Irland und Israel, Dorothee Blessing, steigt auf und wird gemeinsam mit Conor Hillary die Geschäfte für Europa, Afrika und dem Nahen Osten führen. Blessing kann 2014 von Goldman Sachs, wo sie seit 1992 arbeitete, zur Investmentbank.
manager-magazin.de

Ankündigung: Tagung zu Lust und Leid der Frauen sueddeutsche.de
Jung, weiblich, selbstständig hessenschau.de
Finnlands Ministerpräsidentin im Interview: Ist es einfacher, wenn Frauen miteinander verhandeln? spiegel.de
Frauen wollen an den Altar sueddeutsche.de
Niemand will stutenbissig 2.0 sein n-tv.de
Forbes Top 100: Meet The Six Arab Women Topping The Tech Game scoopempire.com
Top-Managerin Michaela Tod verlässt ProSiebenSat.1 im Sommer kress.de
Buch über Frauen in der Minderheit: Alleine zwischen Männern taz.de
Die Alpha-Frauen und der Merkel-Effekt welt.de

Anne Jacobs ist Account Managerin Governance bei der Deutschen Presse-Agentur und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Journalisten Verbands Berlin-JVBB. Die Marketing- und Kommunikationsspezialistin war bis 2018 Pressesprecherin der Landesgruppe Bayern im Deutschen Bundestag. 2009 baute sie ein Standbein als Selbstständige auf, bei der sie ihre Erfahrungen im Fundraising-Bereich, der politischen Kommunikation und PR teilt. Zusätzlich setzt sie diese Fähigkeiten bei der Gesellschaft für Europa- und Kommunalpolitik ein.

Foto: privat

El Salvador ist mit jährlich
6,8 Frauenmorden auf 100.000 Personen

das gefährlichste Land für Frauen. Gefolgt wird es vom Nachbarland Honduras.
idowa.de

Die Frauen sind auch in der Tech-Branche da – Simone Menne über Geschlechterstereotype und ihre Karriere: Simone Menne, ehemalige CFO bei Lufthansa und Aufsichtsrätin bei BMW, Johnson Controls und Deutsche Post, blickt auf eine erfolgreiche Karriere in männerdominierten Branchen zurück. Bereits mit 32 Jahren bekleidete sie zum ersten Mal eine Führungsposition. Ihre Bilanz ist klar: es braucht eine Quote, um Gleichberechtigung im Berufsleben zu erreichen. Für die Digital- und Finanzexpertin ist die Sozialisierung und Förderung von Eigenschaften wie Bescheidenheit und Zurückhaltung in Frauen ein Grund dafür, dass sie beruflich nicht gleichermaßen auffallen. Menne selbst erklärt, die beiden Eigenschaften, die ihr am meisten geholfen hätten, seien Risikobereitschaft und Selbstbewusstsein. Aus ihrer Erfahrung sind auch Personaler klar geprägt und wählen häufig Personen mit ähnlichen sozialen Charakteristika. Dies bedeutet, dass Personen übersehen werden, wenn sie nicht dem gängigen Bild einer Führungskraft entsprechen, das in einer Branche dominiert. Sollten Führungskräfte behaupten, sie können keine weiblichen Kandidatinnen finden – auch im Tech-Bereich – bietet Menne an, zu vermitteln. Sie kennen genug qualifizierte Frauen, die unter dem Radar fliegen und habe bereits mehrere Frauen in Führungsposten vermittelt. Man müsse darauf bestehen, quotierte Bewerberlisten zu erhalten.
Einen konkreten Tipp hat Menne für eine Situation, die viele Frauen kennen: in Meetings, in denen ein männlicher Kollege Anerkennung für etwas bekommt, das eine Frau erst wenige Minuten zuvor gesagt hat, bräuchte man Verbündete. Diese können charmant auf die Dopplung hinweisen und die Frau als Urheberin der Idee hervorheben.
eco.de

Schweizer IT – wenige Frauen, steigender Trend: Gabriela Keller ist seit 1000 Tagen Geschäftsführerin bei Ergon Informatik und sieht einen langsamen Trend in Richtung erhöhtem Interesse seitens Frauen an IT. Die Mensch-Maschinen-Interaktionen steigen und auch die Multimedia spielt eine wachsende Rolle – dies sei attraktiv für Frauen. Als Geschäftsführerin versucht Keller die Familienfreundlichkeit zu erhöhen, wovon auch Männer profitieren. Rund ein Drittel der festangestellten Männer arbeiten in Teilzeit im Unternehmen. Keller ist auch Mitglied der Kommission Bildung von ICT-Switzerland und sieht aus ihrer Gremienarbeit einen Handlungsbedarf an mehreren Ebenen. Bereits in Schulen müssten gegen Stereotype angekämpft werden, damit Mädchen sich auch in Studienfächern wie Mathematik wohlfühlen, die tendenziell kompetitiver sind.
netzwoche.ch

Weibliche Vorbilder kommen im Schulunterricht nicht vor: Einer Studie der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung zufolge gibt es nahezu keine weiblichen Vorbilder aus der Wirtschaft, die im Schulunterricht besprochen werden. Die Forscher haben 5000 Schulbuchseiten für die Mittelstufe und gymnasiale Oberstufe untersucht und haben lediglich auf einer Seite eine Frau als Unternehmerin identifizieren können. „Frauen sind keine Arbeitgeberinnen. Arbeitgeber sind Männer, Frauen sind Mitarbeiterinnen oder Kundinnen“, heißt es seitens des Zentrum für ökonomische Bildung, das die Untersuchung durchführte. Die Forscher mahnen, dass die Darstellung in der Schule bereits traditionelle Rollenbilder zementiere – ein möglicher Grund für die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen. Karl-Heinz Plaqué, Chef der Friedrich-Naumann-Stiftung, erklärte: „Wir wollen, dass Mädchen davon träumen, erfolgreiche Unternehmerinnen zu werden. Dafür müssen wir uns im Bereich Gleichstellung um die Ursachen kümmern, statt uns an den Symptomen abzuarbeiten.“
welt.de

„Wir sind auch noch lange nicht da in der CDU, wo wir sein wollen. Wir brauchen mehr Ministerpräsidentinnen, wir brauchen mehr Fraktionsvorsitzende weiblich in den Ländern. Baden-Württemberg tritt im nächsten Jahr mit einer weiblichen Spitzenkandidatin an. Deshalb ja, wir brauchen auch mehr Frauen, die dann in den entscheidenden Momenten in der Reihe stehen.“

Annette Widmann-Mauz, Vorsitzende der Frauenunion.
deutschlandfunk.de

Foto von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 commons.wikimedia.org

Bullying unter Frauen am Arbeitsplatz: Einer Studie zufolge kommt es in den USA in 80 Prozent der Fällen zu Bullying unter Frauen in der Zusammenarbeit vor. Insgesamt machen Frauen 60 Prozent der Opfer von Bullying und Sabotage im beruflichen Kontext aus. Vor allem auf dem Weg nach oben solle es immer häufiger zukommen, dass Frauen sich ein aggressives Verhalten aneignen und andere wegbeißen.
forbes.com