KW 10: Gewalt in der Partnerschaft: Frauen sind häufiger Opfer, Equal Pay Day verharrt seit Jahren im selben Zeitraum

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der US-amerikanische Ökonom David Autor vom Massachusetts Institut of Technology (MIT) forscht seit Jahren zur Transformation der Arbeitswelt. Er warnt vor einer Polarisierung auf dem Jobmarkt – es entstehen viele schlecht bezahlte Berufe im Niedriglohnsektor, Mittelstandsjobs fallen weg und neue gut bezahlte Berufe wachsen langsamer nach. Empirisch konnte er diesen Trend bereits nach der Rezession infolge der Lehman-Pleite 2008 beweisen. Damals waren es insbesondere Männer, die betroffen waren, da Industriejobs ins Ausland verlagert oder vollständig gekürzt wurden. Der Rust Belt ist ein Symbol für traurige Lebensverläufe vieler Arbeiter geworden. Die Corona-Krise rüttelt den Arbeitsmarkt auf ähnliche Weise auf – in den USA noch stärker als in Europa. Dieses Mal sind die Frauen die Verliererinnen und es zeichnet sich ab, dass sich dies verstärken wird. Während nämlich viele „typische Frauenberufe“ im vergangenen Jahr aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht mehr ausgeübt werden konnten, stiegen die hochgezahlten Berufe – oft in der IT. Dort sind Frauen kaum repräsentiert. Die ökonomischen Realitäten, die geschaffen werden, führen entweder dazu, dass Frauen langfristig in diesen Branchen abgehängt werden – oder sie offensiv Teilhabe einfordern. Damit das allerdings passiert, müssen diese Tendenzen deutlich in das öffentliche Bewusstsein. Bei Diversity geht es nicht um ein Wohlfühlprogramm. Es geht auch um Wohlstand und Sicherheit.

Ihre Alice Greschkow

Gewalt in der Partnerschaft: Frauen sind häufiger Opfer

Laut Bundeskriminalamt (BKA) sind Frauen überdurchschnittlich häufig Opfer von Gewalt in Partnerschaften. 100 Prozent der Opfer von Zuhälterei sind Frauen. Bei den Verbrechen Zwangsprostitution und Vergewaltigung sind fast 98 Prozent der Opfer weiblich. Fast 90 Prozent der Opfer von Freiheitsberaubung und Stalking sind weiblich. Bei den Straftaten der gefährlichen Körperverletzung sowie Körperverletzung mit Todesfolge sind hingegen rund ein Drittel der Opfer Männer. 2019 waren insgesamt 115.000 der 141.792 Opfer von Gewalt in der Partnerschaft weiblich. Das BKA schätzt, dass die Dunkelziffer insbesondere durch die Corona-Pandemie merklich gestiegen ist. Allein während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 habe sich die Anzahl der Notrufe wegen häusliche Gewalt deutlich erhöht.
zdf.de

Foto: Kat J/Unsplash

Equal Pay Day verharrt seit Jahren im selben Zeitraum: Mit dem Equal Pay Day soll auf die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern aufmerksam gemacht werden. In diesem Jahr fiel der Tag auf den 10. März. Bis zu diesem Tag haben Frauen im übertragenen Sinn „umsonst“ gearbeitet, denn die durchschnittliche Lohnlücke beträgt 18 Prozent und an diesem Datum waren 18 Prozent der Arbeitszeit des Jahres verstrichen. Ernüchternd ist dabei nicht nur die Lohnlücke, sondern die Tatsache, dass sie seit Jahren stagniert. Zwischen Anfang und Mitte März eines jeden Jahres wird der Equal Pay Day begangen. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass Frauen in schlechter bezahlten Branchen wie der Pflege angestellt sind.
tagesschau.de

Frauenanteil in Führungspositionen in Brandenburg am höchsten: Mit 31,4 Prozent liegt Brandenburg bei dem Frauenanteil in Führungspositionen auf Platz 1. Gefolge wird das Land von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Auf den letzten Plätzen liegen Bremen, Baden-Württemberg und Hamburg mit Quoten zwischen 22 und 24 Prozent. Die Daten stammen von der Wirtschaftsauskunftei Crif Bürgel. Der Frauenanteil hänge stark von der Unternehmensgröße an. In kleineren Unternehmen gäbe es deutlich mehr Frauen in Führungspositionen als in Großunternehmen.
berliner-zeitung.de

Managerinnen trinken am meisten: Ein Forscherteam der Universität Liverpool hat untersucht, in welchen Berufen der Alkoholkonsum am höchsten ist. Dabei haben die Forschenden zwischen den Geschlechtern unterschiedliche Muster entdeckt: Bei den Frauen sind es vornehmlich Managerinnen und leitende Beamtinnen, die durch einen erhöhten Alkoholkonsum auffallen. Bei den Männern hingegen sind es eher Handwerker. Am wenigsten trinken Schulsekretärinnen, Biologinnen und Biochemikerinnen.
businessinsider.de

Erfahrungen von Frauen in der Politik: „Zeit für eine Frau als Bundespräsidentin“ ga.de
Frauen, traut euch! 4 Tipps für zukünftige Führungskräfte karriere.at
Studie: In diesen Branchen ist der Frauenanteil in Führungspositionen am größten businessinsider.de
Wenig Frauen in Führungspositionen der Evangelischen Kirche rtl.de
Bamberger Studie: Frauen leiden mehr unter dem Lockdown br.de
Politikerinnen fordern mehr Frauen in Führungspositionen rtl.de
„Viele Frauen denken, ihre Leistung sei selbstverständlich und würde kein Gehaltsplus rechtfertigen“ wiwo.de

Nasrin Sotudeh ist eine iranische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin. Sie verteidigte minderjährige Verurteilte, die im Rahmen der grünen Revolution gegen das iranische Regime protestierten und wurde 2013 festgenommen und in Abwesenheit zu fünf Jahren haft verurteilt. Sie hatte zuvor zwei junge Frauen vertreten, die öffentlich gegen das Gesetz protestiert hatten, das sie zum Tragen eines Kopftuchs verpflichtete. Sotudeh wurde mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Gegenwärtig befindet sie sich in Haft.

Foto: Hosseinronaghi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Knapp über
20 Prozent

der Frauen über 65 Jahren sind in Baden-Württemberg von Armut bedroht.swr.de

Von mehr Akzeptanz für Teilzeitmodelle könnten Frauen und Männer gleichermaßen profitieren: Anna Adler, Vorstandsmitglied bei Campana & Schott, ist Mutter von zwei Kindern und hält eine Führungsposition inne. Adler arbeitet allerdings – genauso wie ihr Mann – in 80 statt in 100 Prozent. Sie sieht, dass derartige flexible Modelle zu mehr Gleichberechtigung verhelfen können. Allerdings sei die Erwartungshaltung in vielen Unternehmen noch hoch. Man würde insbesondere von Männern erwarten, keine Elternzeit zu nehmen. Um solche Konflikte zu überbrücken, können diverse Teams mit unterschiedlichen Führungsstilen neue Lösungen finden. Für Adler gibt es einen weiblichen Führungsstil, der auf Empathie und Fokus ausgerichtet ist und Präsenz weniger stark fokussiert. Ein kulturelles Umdenken in den Unternehmen, wie Führung und Leistung auszusehen haben, sei allerdings notwendig, um weibliche Perspektiven überhaupt zu gestatten.
watson.de

Frauenberufe sind nachhaltiger durch Corona bedroht: Rund ein Jahr nach der Corona-Pandemie zeichnet sich ab, dass Frauen wirtschaftlich härter betroffen sind als Männer. Berufe, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden, sind häufig körpernah und sozial. Ob im Einzelhandel oder der Pflege – in den USA waren Frauen stärker von Jobverlusten bedroht. In Europa zeigt sich ein ähnliches Bild: In Österreich wurden Frauen häufiger in Kurzarbeit geschickt als Männer und hatten größere Einkommensverluste. Die Zahlen des amerikanischen Bureau of Labor Statistics zeigt zudem einen besorgniserregenden Trend: Während Berufe mit mittleren und niedrigen Einkommen überdurchschnittlich oft vom vergangenen Jahr weggefallen sind, stieg die Anzahl der Stellen in gut bezahlten Sektoren. Dazu gehören insbesondere IT-Berufe, in denen Frauen seltener vertreten sind.
nytimes.com, derstandard.de

Digitalisierung darf kein Rückschritt bei der Verwirklichung von Gleichberechtigung sein.“
Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Laut aktuellem Gleichstellungsatlas ergreifen weniger Frauen zukunftsversprechende Digital-Berufe.
wdr.de

Foto: Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,

Deutscher Frauenrat fordert stärkeren Fokus auf Genter-Perspektive beim Lieferkettengesetz: Der Deutsche Frauenrat begrüßt den Entwurf zu einem internationalen Lieferkettengesetz, fordert allerdings einen stärkeren Fokus auf die Genfer-Perspektive. „Wir brauchen ein starkes Lieferkettengesetz, das zivilrechtliche Haftung und den Schutz der Menschenrechte entlang der Wertschöpfungsketten vorsieht“, erklärt Lisi Maier, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrats.
frauenrat.de