KW 12: Ökonominnen unzufriedener mit ihrem Beruf als Ökonomen, Neue Initiative will mehr Frauen in die Startup-Szene bringen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

letztens bei einem Privatgespräch: „Die meisten Frauen wollen nach der Geburt eines Kindes nicht wieder in den Job einsteigen – oder wenn, dann nur geringfügig.“ Mir wurde erklärt, dass dies der Grund für bestehende Gender Gaps sei. Unabhängig davon wie viel von dieser Aussage stimmt, störe ich mich an zweierlei Aspekten dieser Argumentation: Sie wird als Rechtfertigung gegen Veränderung benutzt – es sei schließlich der Lauf der Dinge, dass Frauen zu Haus bleiben wollen. Außerdem: Selbst wenn Frauen diesen Zustand mehrheitlich wollen würden, dann bedeutet das auch nicht, dass es auch möglich ist. Denn: In Deutschland ist rund jeder vierte arbeitende Mensch im Niedriglohnsektor beschäftigt. Ein Gehalt reicht oft nicht, um eine Familie zu versorgen. Diese ökonomischen Realitäten sind eigentlich nicht mehr mit dem klassischen Familienmodell vereinbar. Wer an starren Rahmenbedingungen für Arbeit festhält, die es im Zweifel Frauen nahezu unmöglich machen einer Beschäftigung nachzugehen, nimmt einkommensschwachen Familien eine Option ihren wirtschaftlichen Status zu verbessern. Gleichberechtigung ist mehr als eine kulturelle und soziale Frage – für viele Familien ist sie eine ökonomische, bei der es keinen Raum für die Frage nach „typisch weiblichen Eigenschaften“ gibt.

Ihre Alice Greschkow

Ökonominnen unzufriedener mit ihrem Beruf als Ökonomen:

Laut einer kanadischen Studie gibt es einen merklichen Unterschied in der Jobzufriedenheit zwischen Ökonominnen und Ökonomen. 47 Prozent der Frauen sagen, sie seien zufrieden mit ihrer Rolle und Position, wohingegen 60 Prozent der Männer der Aussage zustimmen. Die Forscherin Janice Compton, die an der Studie beteiligt war, erklärt, dies hinge damit zusammen, dass Frauen seltener ihre Forschungsergebnisse in relevanten Fachpublikationen oder auf Konferenzen teilen können. Sie würden seltener zu Wort kommen, was zu einem gewissen Grad an Frustration beitrage.
bloomberg.com

Neue Initiative will mehr Frauen in die Startup-Szene bringen: 27 Gründerinnen und Gründer rufen unter dem Motto #startupdiversity zu mehr Maßnahmen in puncto Frauenförderungen in der Status-Szene auf. In einem Papier fordern sie unter anderem, dass ein Transparenzregister für Wagniskapitalgeber angelegt werden soll, aus welchem hervorgeht, wie viele Frauen im Portfolio und im Investment-Team sind. Darüber hinaus fordert die Initiative eine Quote von 30 Prozent bei Investmentfirmen der öffentlichen Hand. Außerdem fordern sie ein Bekenntnis für mehr Spitzenfrauen in Startups mit über 100 Mitarbeitern sowie den aktiven Abbau von kulturellen Barrieren.
businessinsider.de

Bahn spricht gezielt Frauen für Karriere an: Die Bahn tritt neuerdings als ArbeitgeberIN auf – mit Betonung auf den letzten zwei Buchstaben. Der Konzern möchte nämlich mehr Frauen auf allen Ebenen einstellen. Gegenwärtig liegt der Frauenanteil im Logistik- und Transportunternehmen bei unter einem Viertel. Vor dem Hintergrund, dass innerhalb der kommenden zehn Jahre jede, bzw. jeder zweite Beschäftigte in den Ruhestand versetzt wird, könne man es sich nicht leisten, die Hälfte der Bevölkerung nicht anzusprechen. Dies erklärt Martin Seiler, DB-Personalvorstand, und fügt hinzu: „Gemischte Teams sind erfolgreicher!“
sueddeutsche.de

Top-Managerin verlässt Zalando überraschend – einen Tag nach Kampagne zur Frauenförderung businessinsider.de
Frauenberufe: „Verantwortung für Menschen ist weniger wert als für Maschinen“ t-online.de
Texas Instruments fördert Frauen in MINT-Berufen merkur.de

Samia Suluhu Hassan ist die erste Präsidentin Tansanias und wurde am 19. März 2021 nach dem Tod ihres Vorgängers vereidigt. Nach ihrem Schulabschluss arbeitete sie zunächst als Sekretärin im Ministerium für Planung und Entwicklung, später folgte ein Studium in Manchester sowie an der Open University of Tanzania und der Southern New Hampshire University. Sie ist seit 2000 politisch aktiv und diente seit 2015 als Vizepräsidentin Tansanias.

Foto: Gospel Kitaa – Kuagwa kwa Miili Lucky Vincent-183, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=101744705

Laut einer weltweiten Deloitte-Studie empfinden
65 Prozent

der in Vollzeit arbeitenden Frauen ein größeres Pensum an Hausarbeit in der Corona-Krise.
business-review.eu

Janina Kugel vermisst Fortschrittsdenken in Deutschland: Die Managerin Janina Kugel erklärt im Interview, dass Deutschland in puncto Gleichberechtigung unter der Kanzlerschaft keine großen Fortschritte gemacht habe. Zwar habe Angela Merkel die Sicht auf Frauen verändert und es selbstverständlicher gemacht, dass sie in der Politik Verantwortung übernehmen, allerdings habe sich auf gesetzlicher Ebene nur wenig getan. Kugel setzt sich daher selbst für mehr Diversität zwischen Geschlechtern, Ethnien und Identitäten ein. Ihr nächstes Ziel sei, geschlechtergerecht zu sprechen.
augsburger-allgemeine.de

Laut Autorin Johanna Dürrholz ist die Mutterschaft weiterhin ein Anker für das Bild von Weiblichkeit: Johanna Dürrholz schreibt in ihrem Buch „Die K-Frage“ welche Dimensionen auf Frauen lasten, wenn es um das Kinderkriegen geht. Zwar habe sich die Gesellschaft stark verändert, sodass die klassische Hausfrauenrolle nicht die einzige Option für Frauen ist. Allerdings sei es noch immer praktisch unmöglich einen Vollzeitjob ohne zusätzliche Betreuung auszuüben und gleichzeitig ein Kleinkind zu versorgen. Dürrholz sieht, dass Mutterschaft in der Gesellschaft weiterhin als Anker der Weiblichkeit gilt – was nicht zuletzt auch an der Vielzahl der Instagram-Influencerinnen deutlich wird, die mit der Inszenierung ihrer Mutterschaft Geld verdienen.
stern.de

Warum Frauen anderen Frauen gegenüber sexistisch sein können: Als „Lateral Violence“ bezeichnet man den Mechanismus, wenn Mitglieder einer benachteiligten Gruppe selbst gegen selbige Gruppe negativ auftreten. Bettina Kleiner erklärt den Mechanismus unter Frauen, die selbst sexistisch agieren und sich von anderen Frauen abgrenzen, weil sie ihnen negative Attribute wie Stutenbissigkeit zuschreiben. Laut Kleiner Handel es sich bei diesem Verhalten um den Versuch sich selbst aufzuwerten, indem andere abgewertet werden. Laut Kleiner sei eine Ursache für dieses Muster, dass weibliche Arbeit und weibliche Attribute als schwächer und minderwertiger bewertet werden. Daher wollen Frauen aus dieser negativen Konnotation durch Abgrenzung ausbrechen.
jetzt.de

Robert Franken fordert mehr Sorgearbeit von Männern: Der selbsternannte Feminist Robert Franken kritisiert im Spiegel-Interview den Fokus auf die Bedürfnisse nach Flexibilität von Frauen im Beruf. Diese würden nämlich das Ungleichgewicht zementieren, dass Frauen mehr Flexibilität einfordern, um Beruf und Familie verbinden zu können – sie erledigen schließlich den Großteil der Sorgearbeit. Franken fordert stattdessen, dass Männer genauso viel Sorgearbeit leisten und es eine echte Wahlfreiheit für die persönlichen Lebensmodelle gibt. Er appelliert an Männer ihre Macht und Rolle zu reflektieren – viele würden schließlich nur nach Karriere und Status streben, obwohl dieses Streben in manchen Fällen gesundheitlich schädlich ist. Männer sterben früher als Frauen und begehen häufiger Selbstmord.
spiegel.de

Es wäre wichtig, dem Kümmern mehr Wert beizumessen. Man glaubt ja immer, dass das so eine verzichtbare Sache ist. Aber wenn man das im größeren Kontext sieht: Ohne Care-Arbeit gibt es keine Erwerbs­arbeit.
Autorin und Psychologin Patricia Cammarata über die Rolle von Sorgearbeit.

Foto: Re:publica – youtube,com, CC BY-SA 3.0 de, wikimedia

Frau dokumentiert Haushaltsstreik auf Twitter: Eine Twitter-Nutzerin beschwerte sich über den Umstand, dass sie in ihrer Familie stets das Kochen und Geschirrspülen übernehmen würde. Sie entschied ein Experiment durchzuführen: Was würde geschehen, wenn sie aufhören würde abzuspülen. Auf Twitter dokumentiert sie das Grauen. Tassen, Teller und Besteckt türmen sich mit verkrusteten Lebensmittelresten. Nach drei Tagen beendet sie ihren Streik – mit durchwachsener Bilanz.
jetzt.de