KW 12: Rolle der Frauen in der Pandemie, Equal Pay Day, Vorteile durch Frauen in Führungspositionen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

sitzen Sie so wie ich auch im Homeoffice? Dieser Tage haben zum Glück viele Menschen die Möglichkeit ihren beruflichen Tätigkeiten aus den vor dem Coronavirus geschützten Räumen nachzugehen. Doch gerade diejenigen, die sich gerade um die Versorgung, Gesundheit und Sicherheit der Gesellschaft kümmern, können dies nicht. Es ist das medizinische Personal oder Kassiererinnen, die gerade ein großes Risiko eingehen dem Virus ständig ausgesetzt zu sein und damit ihr eigene Gesundheit gefährden – damit der Rest von uns mehr Ruhe hat. Darunter sind viele Frauen, die von schlechter bis mittelmäßiger Bezahlung leben und über die keine Artikel geschrieben werden. Sie werden auch nicht auf Podien eingeladen, um die Herausforderungen der Work-Life-Balance zu diskutieren. Man schaut ihnen oft nicht einmal richtig in die Augen oder fragt sie nach ihrer Meinung und Lebenserfahrung. Die laufende Pandemie schafft für einen Teil der Bevölkerung Ruhe und Reflexionsräume, für den anderen Teil Druck, Stress, Sorgen. Mich erfüllt die Situation mit Demut, aber auch Hilflosigkeit. Ist es fair, dass ich mehr als eine Krankenschwester verdiene, obwohl ich keinen direkten Dienst an der Gesellschaft leiste? Wie kann man politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich an den Stellschrauben drehen, dass systemrelevante Berufe aufgewertet werden? Warum ist der finanzielle Status die Messlatte für eine Karriere, der so viele nacheifern und in der Konsequenz andere abwerten? Wenn diese Krise einen Vorteil hat, dann ist es, dass sie eine disruptive Wirkung entfaltet und Zeit schenkt über die Organisation von Arbeit nachzudenken. Es ist ein kleiner Trost, dass man auf leichte Art etwas für die Entlastung des medizinischen Personals tun kann – zu Haus bleiben.

In diesem Sinne – stay safe and stay home!

Ihre Alice Greschkow

Die Rolle der Frauen in der Pandemie

76 Prozent in Deutschland, 90 Prozent in China, 78 Prozent in den USA – weltweit machen Frauen die Mehrzahl des Gesundheitspersonals aus. Gerade in Kranken- und Pflegeberufen dominieren sie. Damit besteht für sie ein besonders großes Risiko ständig mit dem Coronavirus in Berührung zu kommen, denn das Pflegepersonal hat oft einen direkteren und intimeren Umgang mit Patienten als Ärztinnen und Ärzte. Auch im Einzelhandel von Lebensmitteln bilden Frauen die Mehrheit des Personals – sie sitzen an den Kassen und haben dabei ständig Kontakt zu einer großen Zahl von Menschen, die potenziell erkrankt sein können. Die Rolle von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, aber auch die Frage nach einer modernen Organisation der Kinderbetreuung stellt sich. Erste Hausarztpraxen fahren bereits auf Notbetrieb runter, da aufgrund der Schulschließungen Arzthelferinnen – der Job ist mehrheitlich von Frauen besetzt – ihrer Tätigkeit nicht nachgehen können, weil sie die Kinderbetreuung zu Haus übernehmen. Die Folgen der Coronakrise auf private Existenzen, beispielsweise von Alleinerziehenden, werden erst deutlich, wenn die Pandemie überstanden ist
nytimes.com, goettinger-tageblatt.de

Bild: de.statista.com

Zum Equal Pay Day werden die Unterschiede in den Geschlechterrollen deutlich: Am 17. März war der Equal Pay Day – an diesem symbolischen Tag wird daran erinnert, dass die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern bei einem Fünftel liegt – 20 Prozent. Bis zu diesem Tag haben Frauen im übertragenen Sinn „umsonst“ gearbeitet. Die Gründe für die Lohnunterschiede sind weit erforscht: Frauen stemmen den Großteil der Betreuung von Kindern und Familienangehörigen, sie arbeiten häufiger in Teilzeit und das Ehegattensplitting, das aus der Zeit des Wohlstands erwachsen ist, in der Familien es sich ein komfortables Leben mit einem Gehalt leisten konnten, hängt bis heute nach. Auch die Berufswahl spiele eine wesentliche Rolle. Henrike von Platen, Gründerin des Fair Pay Innovation Lab, erklärt allerdings, dass Berufe entwertet werden, sobald sie zu „typischen Frauenberufen“ werden – die Entwicklung sei bei Lehr- und Sekretärstätigkeiten deutlich gewesen. Transparenz sei notwendig, um Gehaltsunterschiede abzubauen. Klar ist zudem, dass die Mutterschaft zum größten Gehaltsknick führt – an dieser Stelle gibt es auch keine merklichen Fortschritte zwischen jungen und älteren Kohorten. Die Lohnlücke bei den Renten beläuft sich auf 53 Prozent, Frauen verdienen auf ihr gesamtes Leben gerechnet 670.000 Euro weniger als Männer.
taz.de, tagesspiegel.de (Interview mit Henrike von Platen), handelsblatt.com

Vorteile durch Frauen in Führungspositionen: Beim Gender Diversity Index 2019, der von der Boston Consulting Group und der Technischen Universität München erhoben wurde, wurden die 100 stärksten börsennotierten Unternehmen in Deutschland auf das Verhältnis von diversen Führungsteams und Ergebnis analysiert. Dabei kamen sie zu der Erkenntnis, dass die 30 progressivsten DAX-Konzernen in puncto Diversität, im Schnitt um zwei Punkte höher lagen. Wenn Frauen in Führungsgremien vertreten sind, ist die Schwankungsbreite der Aktienpreise geringer. Damit verringert sich das Risiko für Investoren. Zusätzlich gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter häufiger an, dass ihre Stimme gehört wird, wenn Frauen an der Führung beteiligt sind – die Teams haben eine offenere und innovativere Unternehmenskultur.
faz.net

Frauen berichten von Alltagsdiskriminierung im Job: Das Magazin t3n rief Leserinnen dazu auf, ihre Erfahrungen mit Diskriminierung zu teilen. Unter den Einsendungen fanden sich Geschichten über sexuelle Übergriffe und anzügliche Sprüche, aber auch nuancierte Erlebnisse, die den klischeegeladenen Blick auf Frauen zeigen: Kaffee kochen, zur Assistentin degradiert werden oder von Männern ignoriert werden – all das sind Situationen, die vielen Frauen bekannt sind. Unabhängig von Position und Qualifikation finden sich Arbeitnehmerinnen in Momenten wieder, in denen ihnen die Kompetenz aberkannt und gezeigt wird, dass man ihnen weniger zutraut. Alle Geschichten sind hier zu lesen:
t3n.de

Judith Wittwer wird Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung: Die Wirtschaftsjournalistin Judith Wittwer wechselt vom Züricher „Tages-Anzeiger“ in die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, die sie gemeinsam mit Wolfgang Krach führen wird. Wittwer absolvierte die Schweizer Journalistenschule MAZ und hat langjährige Erfahrung in den Ressorts Wirtschaft und Analyse bei der “Handelszeitung”, “Sonntags Zeitung” und dem „Tages-Anzeiger“. Als stellvertretende Chefredakteure wurden Alexandra Föderl-Schmid und Ulrich Schäfer berufen.
meedia.de

Dawn Summers wird COO bei Wintershall Dea: Zum 1. Juni tritt die erfahrene Managerin Dawn Summers ihre Stelle als COO beim Energiekonzern Wintershall Dea an. Sie wird den europäischen Markt, Nordafrika sowie die Vereinigten Arabische Emirate verantworten. Summers hat 25 Jahre Erfahrung im Öl- und Gassektor, unter anderem mit Stationen bei BP, Genel Energy, Origin Energy, and Beach Energy.
wintershalldea.com

Frauen werden in der Medizin oftmals benachteiligt heilpraxisnet.de
Blumen? Ich hätte lieber Equal Rights für alle vorwaerts.de
Wie die Medizin Frauen schadet derstandard.de
Slow progress for female world leaders axios.com
Woman-To-Woman Leadership Advice forbes.com
Women leaders demand female VP pick from Dem nominee politico.com

Prof. Dr. med. Marylyn Addo ist Oberärztin, Leiterin Sektion Infektiologie und Fachärztin für Innere Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Addo ist Professorin für Emerging Infections (DZIF) und ist gegenwärtig an der Entwicklung für einen Impfstoff gegen das Coronavirus beteiligt. Zuvor hat sie bereits zu Impfstoffen gegen Ebola sowie MERS geforscht. Nach ihrem Studium der Humanmedizin in Bonn, forschte die Wissenschaftlerin unter anderem 15 Jahre lang an der Harvard Medical School in Boston.

Foto: Marylyn Addo /DZIF

Von den Frauen, die in Teilzeit arbeiten, geben
31 Prozent

an, wegen der Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen kürzer zu treten.
aerztezeitung.de

Führt die Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in die Sackgasse? Barbara Lutz hat den Frauen-Karriere-Index entwickelt und beobachtet seit Jahren die Entwicklung der Aufstiegschancen für Frauen. Im Spiegel-Interview kritisiert sie, dass vieles zu langsam gehe – Maßnahmen müssen verbindlicher sein, damit langfristige Effekte sich einstellen. Lutz merkt an, dass eine Frau in einem Führungsgremium nicht auf die Unternehmenskultur schließen lässt, zumal Vorständinnen oft nach kurzer Zeit aus ihrer Rolle ausscheiden. Lutz sieht auch die Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als partielle Erklärung – ihrer Auffassung nach müsste es beim gegenwärtigen Status von Frauen in Führungspositionen im Umkehrschluss viele kinderreiche Familien geben. Deutschland habe aber beides nicht – Frauen in Führungspositionen sowie viele Kinder.
spiegel.de

Philosophin Lisa Herzog fragt: Wer viel verdient, verdient viel?: Lisa Herzog ist Philosophin und Autorin und befasst sich mit Arbeitssystemen, Hierarchie und Meritokratie. Sie hinterfragt, inwiefern das Gehalt widerspiegelt, ob Personen sich dafür auch verdient gemacht haben. Sie illustriert, wie das meritokratische Dogma von liberalen wie konservativen Richtungen wiederholt wird: diejenigen, die mehr Geld verdienen, haben durch ihre Fähigkeiten, Arbeit und Entscheidungen ihre Positionen und Status verdient. Dabei sieht Herzog durchaus eine gewisse Berechtigung, allerdings nicht in dem Ausmaß, dass Gehaltsunterschiede zwischen beispielsweise systemrelevanten Berufen und gesellschaftlich weniger wichtigen Tätigkeiten so stark auseinandergehen, wie es gegenwärtig der Fall ist. Vielmehr spielen in ihrer Analyse Faktoren wie (natürliches) Glück und Zufall eine wesentliche Rolle für Erfolge und fordert, dass dies stärker anerkannt wird. Ihr nuancierter Vortrag ist als Podcast verfügbar:
ardaudiothek.de

Wie Hongkong zeigt, dass es mehr als nur weibliche Führungskräfte für Gleichstellung bedarf: 2017 hat die Sonderverwaltungszone Hongkong mit Carrie Lam zum ersten Mal eine Frau als Regierungschefin gewählt. Die westlich-geprägte Sonderverwaltungszone, die bis 1997 unter britischer Macht war, gilt als offener und progressiver als Festlandchina. Dennoch hat Carrie Lam Schwierigkeiten dabei gehabt ein paritätisches Kabinett zusammenzustellen – von den 16 Ministern sind lediglich zwei weiblich, obwohl Lam angekündigt hatte den Anteil der Frauen zu erhöhen. Die kulturellen Erwartungen spielen neben der Qualifikation eine bedeutende Rolle. Um Frauen zu entlasten, erhöhte Lam den Mutterschutz von 10 auf 14 Wochen.
scmp.com

„Die Leute müssen lernen, dass Präsidenten anders aussehen können, auch Premierminister, auch Frauen über 40. Man kann nicht eine Person anschauen und darüber entscheiden wie sie ist. Das ist extrem wichtig.“
Estlands Staatspräsidentin Kersti Kaljulaid. 2016 wurde sie als erste Frau in dieses Amt gewählt.
nbcnews.com

Foto: Metsavend, CC BY-SA 4.0

Popkünstlerinnen drängen Fans zu mehr Vorsicht: Billie Eilish, Ariana Grande und Taylor Swift gehören zu den größten Stars der Popwelt. Die Sängerinnen nutzen ihre Öffentlichkeit in den sozialen Medien, um auch vor dem Coronavirus zu warnen. Da sie besonders viele junge Fans haben, appellieren sie, dass Partys und Treffen abgesagt werden sollen, um das Coronavirus einzudämmen. Ihre Fans sollen gesund bleiben und die Krankheit ernst nehmen.
theguardian.com