KW 20: Monika Schnitzer plädiert für diverse Teams, IT-Frauen mit höheren Produktivitätseinbußen im Homeoffice, Frauenanteil in Bundesunternehmen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie geht man am besten mit dem Scheitern um? Die meisten werden sich nach einem beruflichen Fall wieder berappeln und die nächste Position antreten. Das Leben muss schließlich auch weitergehen, wenn ein Kapitel zu Ende gegangen ist. Umso verwunderlicher ist es, wie sich manche Journalisten sich über Andrea Nahles und ihre neue Position ausgelassen haben. Die frühere SPD-Parteivorsitzende hat sich nach ihrem Rücktritt zurückgezogen und gab keine Ratschläge von der Seitenlinie, sondern kümmerte sich um sich selbst. Es ist allerdings verständlich, dass sie mit 49 Jahren wieder aktiv werden wollte und eine neue berufliche Herausforderung suchte. Kaum wurde es öffentlich, dass sie Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation werden solle, begann die harsche Kritik – sie sei unterqualifiziert, sie sei überqualifiziert, das sei ein Versorgungsposten, der für sie „klar gemacht“ wurde. Mir stellen sich bei solchen Kommentaren mehrere Fragen – welchen Posten muss eine ehemalige Politikerin antreten, damit nicht von Versorgungsmechanismen schwadroniert wird? Warum wird jemandem mit jahrzehntelanger Leitungs- und Ministerialerfahrung nicht zugetraut sich in einen neuen Posten einzuarbeiten und diesen gut auszufüllen? Wo fließt die Grenze zwischen „Versorgung“ und „Networking“ – ich dachte letztes wird grundsätzlich empfehlenswert? Kontakte sind überall wesentlich – ob in den Medien, Wirtschaft oder Politik und das wissen auch die Spottenden. Die Empörung darüber kommt daher mit einem Geschmäckle. Wer frei von Netzwerken ist, der werfe den ersten Stein.

Ihre Alice Greschkow

Bundesunternehmen: Jede fünfte Stelle in der Geschäftsführung ist von einer Frau besetzt:

Der Bund brachte den „Beteiligungsbericht 2019“ heraus, in dem das Geschlechterverhältnis in Führungspositionen dokumentiert ist. Jede fünfte Stelle der Geschäftsführung in Bundesunternehmen ist demnach von einer Frau besetzt. 2018 war der Anteil au 16 Prozent gesunken. Bundesunternehmen erreichen damit nicht die Ziele der paritätischen Postenbesetzung. Allerdings legt der Bericht auch offen, dass in Kontrollgremien, in denen der Bund mindestens drei Posten besetzen darf, der Frauenanteil bei 46,4 Prozent liegt. Im Vorwort des Berichts von Olaf Scholz heißt es: „Wir haben einiges erreicht, sind aber noch nicht zufrieden“. Der Bund sei laut dem Finanzminister bemüht die Lage zu verbessern: „Der Bund wird auch weiterhin seine Besetzungsrechte nutzen, um die geschlechterparitätische Besetzung der Gremien zu erreichen“, heißt es.
handelsblatt.com, deutschlandfunk.de

Wirtschaftsweise Monika Schnitzer plädiert für diverse Teams: In einem Interview mit der FAS hat die Ökonomin Monika Schnitzer, die Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) ist, erklärt, dass es oft ein einem Korrektiv fehle, wenn Entscheidungsgremien nur aus Männern bestehen. Die ist der Auffassung, dass auch der Diesel-Skandal hätte verhindert werden können, wenn im Gremium auch Frauen gewesen wären, die Skepsis geäußert hätten. Die Wirtschaftswissenschaftlerin meint: „In einer homogenen Gruppe von Männern, die alle begeistert sind von Autos, Macht, Technik und Wachstum ist die Versuchung groß, sich auf die genehme Sicht der Dinge zu einigen: ‚Was ist schon kriminell? Wer soll uns schon dahinterkommen?’“ Sie merkt an, dass es allerdings noch die Regel sei, dass Führungskräfte andere fördern, die ihnen selbst ähnlich sind – Männer fördern daher noch eher Männer. Dies würde zwar viele Aspekte erleichtern, weil man sich besser verstünde, aber auch blinde Flecken entstehen.
faz.net, spiegel.de

IT-Frauen mit höheren Produktivitätseinbußen im Homeoffice: Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik unter Beschäftigten aus dem digitalen Umfeld (Forschung & Entwicklung, IT/Software, Medien) hat ergeben, dass Frauen höhere Produktivitätseinbußen im Homeoffice erleiden als Männer. Dabei ist ein wesentlicher Faktor, ob Kinder unter 12 Jahren im Haushalt leben. Frauen mit Kindern gaben zu 37 Prozent an, Produktivitätsdefizite zu beobachten – bei den Männern empfanden lediglich 20 Prozent, dass sie weniger produktiv arbeiten. Allerdings seien sowohl Männer als auch Frauen mehrheitlich vom Homeoffice zufrieden. Faktoren, die dazu beitragen, dass Homeoffice positiv gestaltet werden kann, sind die technische Ausstattung, regelmäßige Teammeetings und eine räumliche Trennung vom privaten und beruflichen Bereich.
crn.de

Janina Kugel arbeitet bei BCG: Die ehemalige Siemens-Personalvorständin Janina Kugel hat ihren Posten als Senior Advisor bei der Boston Consulting Group angetreten. Die Managerin hat sich in ihrer Karriere besonders mit dem Einsatz für Disruption und Vielfalt in Gremien hervorgetan. Zusätzlich ist sie Aufsichtsrätin beim Pensionssicherungsverein der Deutschen Wirtschaft (PSV) und ist seit Januar Mitglied des neugeschaffenen Rats der Arbeitswelt im Bundesarbeitsministerium.
handelsblatt.com

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist genesen: Die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Scheweis, verkündete, dass sie ihre Brustkrebstherapie gut überstanden hätte. Im September 2019 machte sie ihre Erkrankung öffentlich, blieb allerdings im Amt. Nun sei sie wieder gesund, würde sich jedoch in eine Nachbehandlung begeben, um weitere Risiken zu verringern. Schwesig bedankte sich in der Staatskanzlei in Schwerin für die Unterstützung seitens der Bevölkerung und die Fairness jenseits von politischen Grenzen.
sueddeutsche.de

Andrea Nahles soll Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation werden: Die ehemalige Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende Andrea Nahles soll einen neuen Job annehmen und den Posten der Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation antreten. Die Rede ist von einem Fünf-Jahresvertrag in der Besoldungsgruppe B6. Die Personalien sorgte für mediales Aufsehen – die journalistischen Kommentare erstreckten sich vom beißend-spöttischen bis hin zum positiv-unterstützenden Spektrum.
deutschlandfunk.de

  • Pivoting And Rising Above The Challenges As A Female Leader forbes.com
  • Corona und die neue Realität der Frauen spiegel.de
  • Netzwerk Spitzenfrauen: Homeoffice muss raus aus der Schmuddelecke she-works.de
  • Macht Eheverträge, ihr Mütter. Jetzt! tagesspiegel.de
  • Warum systemrelevante Berufe schlecht bezahlt werden nzz.ch
  • Geschlechtergleichstellung in Afrika: „Wir müssen uns selbst stärken“ alumniportal-deutschland.org
  • Ökonomin Nicola Fusch-Schündeln: „Die wissenschaftliche Exzellenz ist bedroht“ faz.net
  • Neues Rütteln am Ehegattensplitting tagesschau.de

Erna Soldberg ist seit 2013 Ministerpräsidentin Norwegens. Die Politikerin studierte ab 1979 Soziologie, Vergleichende Politikwissenschaft, Statistik und Sozialökonomie an der Universität Bergen und war bereits zu Studienzeiten politisch im Bergener Stadtrat aktiv. 2004 übernahm die Konservative die Führung ihrer Partei Høyre und wurde stellvertretende Ministerpräsidentin. Soldberg konnte sich bei der Parlamentswahl 2009 gegen die Konkurrenz der rechtspopulistischen Freiheitspartei durchsetzen, mit der sie 2013 allerdings eine Koalition einging. Seit 2020 führt Soldberg Norwegen in einer bürgerlichen Minderheitsregierung und hat sich als Krisenmanagerin in der Corona-Krise profiliert.

Foto: Christian Fredrik Wesenberg, Kolonihaven Studio ASFlickr, CC BY-SA 2.0

Frauen beginnen mit der Altersvorsorge durchschnittlich
im Alter von 31,5 Jahren

und kümmern sich um ihre Altersvorsorge drei Jahre früher als 2009.
advertorial.sueddeutsche.de

Für Frauen bestehen noch immer Hürden in MINT-Bereichen: An Universitäten, Schulen und von der Politik versuchen Initiativen zur Förderung von Frauen in technischen Berufen sowie in der IT seit Jahren das Geschlechterungleichgewicht in diesen Branchen abzumildern. Dabei geht es auch um die Gewinnung von Fachkräften in Zukunftsbranchen. Allerdings gibt es nur kleine Fortschritte. Frauen aus MINT-Berufen berichten noch heute, dass sie „gegen den Strom“ schwimmen, sich häufiger erklären und sich derbe Kommentare anhören müssten. Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut erklärt, dass es oft an Vorbildern aus der Branche fehle – zudem wurde in der Vergangenheit primär darauf gesetzt, dass Frauen sich an männliche Strukturen anpassen. Dieser Ansatz würde nicht mehr verfolgt werden. Wolfgang Gollub vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall sieht ebenfalls wie weibliche Fachkräfte bereits im Studium an konservative Strukturen stoßen. Hoffmeister-Kraut sieht, dass das Selbstbewusstsein und die Einstellung wesentlich seien für einen höheren Erfolg in MINT-Fächern. In Osteuropa schneiden Frauen häufig besser in technischen Bereichen ab – diese werden historisch weniger stark als Männerdomäne bewertet.
welt.de, businessinsider.de, rheinpfalz.de

60 Jahre Pille – 60 Jahre Skepsis der katholischen Kirche: Am 9. Mai 1960 kam die erste Antibabypille in den USA auf den Markt. Die Entwicklung wurde maßgeblich von zwei Frauen vorangetrieben: Margaret Sanger und Katharine McCormick engagierten sich nicht nur als Frauenrechtlerinnen für mehr körperliche Selbstbestimmung, McCormick stammte selbst aus einer großbürgerlichen Familie und finanzierte einen erheblichen Teil an der Pillenforschung. Zunächst kam das Präparat als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden auf den Markt, die empfängnisverhütende Wirkung wurde nur am Rand erwähnt. Es war zudem nur für verheiratete Frauen zugänglich. Die katholische Kirche positionierte sich schnell und vehement gegen künstliche Verhütungsmethoden. Wegen der steigenden Beliebtheit der Pille veröffentlichte Papst Paul IV. 1968 das Schreiben „Humanae Vitae“, in dem erklärt, dass Sex und Fortpflanzung untrennbar voneinander seien: „Ihrem Wesen nach ist die eheliche Liebe auf die Weitergabe und den Erhalt menschlichen Lebens ausgerichtet“, heißt es darin. Die Kirche äußerte Sorgen, dass es einerseits zu vermehrter Untreue kommen könnte und die Frau als Sexualobjekt degradiert werden könne, wenn Geschlechtsverkehr nicht mehr mit direkten Konsequenzen verbunden sei. Das Schreiben setzt bis heute den Standard für die katholische Kirche, für die lediglich natürliche Verhütungsmethoden wie die Temperaturmessmethode vertretbar seien.
domradio.de

Was Quoten mit sozialen Konflikten zu tun haben: Die Debatte um Geschlechterquoten in Entscheidungsgremien polarisiert nach wie vor. Männer fühlen sich diskriminiert, weil Frauen aktiv bevorzugt würden und dies treffe insbesondere Männer um die 50. Häufig wird dabei aufgeführt, dass Teilzeitmodelle nicht für Führungspositionen vorgesehen seien und Frauen nicht mangels Kompetenz, sondern wegen des Fokus auf die Familie seltener aufsteigen. Die Argumente sind nicht neu. Der Soziologe und Elitenforscher Michael Hartmann betrachtet die Quotendiskussion aus dem Blickwinkel sozialer Klassen: Elitetöchter verdrängen Arbeitersöhne, fasst er zusammen. Auffällig sei, dass insbesondere Frauen aus wirtschaftlich starken Familien Karriere in Unternehmen machen und dabei Männer ausstrecken, die sich aus Arbeiterfamilien hochgearbeitet haben. Möglicherweise spielt es eine Rolle, dass Frauen aus wohlhabenden Familien sich Unterstützung für Hausarbeit und Kinderbetreuung leisten können.
deutschlandfunk.de

Die Situation der Alleinerziehenden ist seit Jahren unmöglich, sie haben aber eigentlich gar keine Kraft, sich in die öffentliche Debatte hinein zu begeben. Die Gesellschaft muss leisten, hier eine Verbesserung hinzubekommen.“

Die frühere Familienministerin Christine Bergmann fordert eine Debatte um Lohngerechtigkeit.
zdf.de

Foto: bettinaflitner.debeauftragte-missbrauch.de, Copyrighted free use, commons.wikimedia.org

Mehr als nur ein Klischee: Frauen arbeiten besser in warmen Räumen: Viele kennen die Diskussionen um die richtige Raumtemperatur in Büros – Männer fühlen sich bei einer Temperatur wohl, bei Frauen bereits zittern. Dies ist mehr als nur ein Klischee und hat direkten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit: eine Studie hat verglichen, bei welcher Temperatur Männer und Frauen am besten Logik- und Mathetests lösen können. Das Ergebnis: Männer sind am leistungsfähigsten bei 20 Grad, Frauen hingegen bei über 30 Grad.
wzb.eu