KW 24: Frauen in der Corona-Krise – doch keine Retraditionalisierung? Reichelt kündigt mehr Frauen bei der Bild an, Frauen führen noch seltener in Familienunternehmen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was soll man davon halten, wenn in 100-prozentigen Familienunternehmen der geringste Frauenanteil in Führungsgremien ermittelt wird? Die AllBright-Stiftung hat die Strukturen in familiengeführten Firmen untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass es schlecht um den Einfluss von Frauen steht. Haben die Geschäftsleute keine Töchter, Enkelinnen oder andere weibliche Verwandte? Höchstwahrscheinlich liegt das Problem nicht in einer exorbitant hohen Jungenquote unter den Geburten in Familienunternehmen, sondern in der konservativen Denke, die vielerorts in Deutschland noch besteht. „Business? Das ist nichts für Frauen!“ Frauen können besser den „Rücken freihalten“. Unausgesprochene Stereotype bestehen lange fort – gerade, weil sie unausgesprochen sind. Sie werden sowohl von Männern, als auch von Frauen wiederholt. Manchmal werden sie auch offen ausgesprochen – wie im Fall der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die der Ansicht ist, dass Frauen lieber zu Haus bleiben würden, wenn sie könnten. Man muss konservative Gesinnungen nicht per se verurteilen – aber man muss sich bewusst sein, dass Deutschland nicht das progressive Land ist, was manche gerne hätten. Die Klischees sind noch da.

Ihre Alice Greschkow

Frauen in der Corona-Krise – doch keine Retraditionalisierung?

Vor wenigen Wochen wurde noch stark darüber diskutiert, dass Frauen den Bärenanteil an der Sorgearbeit zu Haus übernehmen würden und dadurch berufliche Einschnitte erfahren würden. Mittlerweile liegen erste Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung vor, die ein differenziertes Bild von den Auswirkungen auf Familien: tatsächlich teilen sich beide Elternteile die Mehrarbeit an Kindererziehung und Hausarbeit gerechter auf. Bei den Hausarbeiten kommen im Schnitt für jeden 30 Minuten zusätzlich hinzu – zwar übernehmen Frauen tatsächlich einen größeren Anteil bei der Kindererziehung, jedoch ist das relative Wachstum des männlichen Engagements stärker. Dass Frauen tendenziell eher ihre Arbeitszeit in der Coronakrise reduzieren, liegt daran, dass sie häufiger in Teilzeit arbeiten – es handelt sich somit um keine „Retraditionalisierung“, oft waren Muster bereits traditionell. Das DIW gibt zudem noch interessante Einblicke in die Zufriedenheit: zwar ist die Zufriedenheit mit dem Familienleben insgesamt gesunken, aber bei den Faktoren Schlaf und Gesundheit ist die Zufriedenheit in der Coronakrise gestiegen.
zeit.de

Frauen führen noch seltener in Familienunternehmen: Eine neue Studie der AllBright-Stiftung hat herausgefunden, dass in den 100 größten Familienunternehmen Deutschlands der Frauenanteil in Führungspositionen bei 6,9 Prozent lag. Damit liegen Familienunternehmen hinter den DAX-Unternehmen. In weniger als einem Drittel (29 Prozent) der Familienunternehmen gibt es überhaupt eine Frau in der Geschäftsführung. Unternehmen, die vollständig in Familienbesitz sind, haben einen Frauenanteil in der Geschäftsführung von unter fünf Prozent.
zeit.de

Erzbischof aus Paderborn will höheren Frauenanteil: Der Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, möchte den Frauenanteil für die Bischofskonferenz auf 30 Prozent erhöhen. Der Geistliche erklärt dazu: „Wir wollen alles dafür tun, den Anteil von Frauen in Führungspositionen noch weiter zu erhöhen, denn da ist noch Luft nach oben“, allerdings seien mehr qualifizierte Bewerbungen nötig, um das Ziel zu erreichen.
Ein Mentorin-Programm soll Frauen dabei helfen sichtbarer zu werden und sich für die Führungsaufgaben zu begeistern.
domradio.de, katholisch.de

Reichelt kündigt mehr Frauen bei der Bild an: Im Unternehmenspodcast inside.pod erklärt Bild-Chefredakteur Julian Reichelt, dass in absehbarer Zeit mehr Frauen in Führungspositionen der Bild kommen werden. Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner verwies darauf, dass die Bild eine Reihe von qualifizierten Frauen innerhalb der vergangen Monate verloren habe. Mit Alexandra Würzbach, die die Chefredaktion der Bild am Sonntag übernommen hat, sei der Anfang getan.
kress.de

Berufstätige Mütter besonders schwer belastet: Die Studie „Mitarbeiterfocus Deutschland“ des Mainzer Marktforschungsunternehmens 2HMforum hat untersucht wie sich die Corona-Krise auf die wirtschaftliche und private Lage von sozialversicherungspflichtig angestellten Menschen auswirkt. Unter 1000 Befragten kam heraus, dass Frauen häufiger von Gehaltskürzungen betroffen sind als Männer (62 vs. 51 Prozent). Jede fünfte Erwerbstätige erwartet in den nächsten sechs Monaten eine Verschlechterung in ihrem Berufsverhältnis. Die Doppelbelastung zu Haus steigt für Frauen ebenfalls höher als für Männer – Mütter gaben häufiger als Väter an, dass ihre Produktivität im Homeoffice leiden würde (54 vs. 34 Prozent).
presseportal.de

Ehefrauen in Führungspositionen zeit.de
Unternehmer unterstützen Frauenquote für Vorstände handelsblatt.com
Lkw-Fahrerin über ihren Beruf: „Der Konkurrenzdruck ist riesig“ taz.de
Coronavirus pay and work problems for pregnant women bbc.com
Women in Tech: „Teil einer staken Gemeinschaft von Menschen zu sein ist von unschätzbarem Wert.“ entwickler.de

Die britische Autorin Sharon Dodua Otoo wurde 2016 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet und thematisiert unter anderem den Magischen Realismus, Afrofuturismus, Identitätsverhandlungen, Beziehungen und Empowerment. Otto studierte German und Management Studies am Royal Holloway College der Universität London und lebt seit 2006 in Berlin.

Foto: Von Amrei-Marie – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org

Lediglich
24,5 Prozent

der Aufsichtsräte in Familienunternehmen sind Frauen.
businessinsider.de

Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach will junge Frauen für Digitaljobs begeistern: Mit der Initiative BayFiD will die bayerische Staatsministerin für Digitales, Judith Gerlach, junge Frauen zwischen 18 und 30 für Digitalberufe begeistern. Lediglich 16,5 Prozent der IT-Fachkräfte sind Frauen. Gerlach betont, man müsse einen eigenen Weg dafür finden müsse, wie man Frauen für MINT-Fächer motiviert. Auf die Anspielung nach Skandinavien betont sie, dass gerade dort, wo es häufig zu einer hohen Gleichstellung käme, die Unterschiede in der Berufswahl besonders hoch seien. In Skandinavien ist der Anteil der MINT-Absolventinnen niedriger als in Deutschland, während in anderen Ländern, in denen es mehr Herausforderungen für Frauen gibt, ein größerer Teil der MINT-Expertise weiblich ist.
produktion.de

Kritik an ARD-Programmdirektor Herres: „Mir fällt aktuell kein weibliches Pendant etwa zu Kai Pflaume ein, der die große Samstagabend-Show moderiert und mit seiner Empathie und Zugewandtheit so große Mehrheiten für sich begeistert“ – mit dieser Aussage zog ARD-Programmdirektor Volker Herres Kritik auf sich. Er erklärte, er würde gerne mehr Frauen in der Unterhaltung sehen und räumt ein, dass es beim öffentlich-rechtlichen Sender ein Defizit in puncto Diversität gäbe – allerdings würde es schlicht an geeigneten Kandidatinnen fehlen. Journalistinnen aus dem öffentlich-rechtlichen Umfeld sowie Kritiker in den sozialen Medien reagierten scharf auf die Aussage – Frauen würden beim ARD schlicht nicht so aufgebaut werden wie Kai Pflaume, der über Jahre gefordert wurde.
rp-online.de, dwdl.de

Gloria von Thurn und Taxis bekräftigt konservatives Frauenbild: In der ARD-Sendung Kontraste zum Thema Belastung von berufstätigen Müttern erklärte Gloria von Thurn und Taxis, dass viele Frauen ihrer Auffassung nach zu Haus bleiben würden, wenn sie die wirtschaftlichen Möglichkeiten dazu hätten. Sie sieht es als positiv, wenn Frauen zu Haus bleiben, denn: „Die Frau zu Hause sitzt nicht rum und macht langweilige Dinge – sondern auch die Wäsche gut zu sortieren, bedeutet weniger Konsum. Das bedeutet, dass man nicht ununterbrochen neue Klamotten kaufen muss, wenn die Klamotten gut gepflegt werden“, meint von Thurn und Taxis. Die Fürstin gehört meint, dass Frauen heute zu Haus das Tempo angeben würden. Gloria von Thurn und Taxis fiel 2001 mit einer rassistischen Bemerkung auf und erklärt weshalb Frauen für die Heimarbeit geeignet seien.
web.de, mopo.de

Freiwillig tut sich wenig, nur die feste Quote wirkt.“

Familienministerin Franziska Giffey über die Anzahl der Frauen in Führungspositionen.
finanzen.net

Foto: Bundesfamilienministerium.

Frankfurter Verein gegen Sexismus: Der Verein Infrau hat es sich zum Ziel gemacht, Aufklärungsarbeit gegen Sexismus Diskrimierung bei Jugendlichen zu leisten. Dabei sollen auch Jungen für Sexismus sensibilisiert werden – und junge Menschen sollen nicht glauben, dass es sich bei sexistischen und diskriminierenden Vorfällen um Einzelprobleme handle.
fr.de