KW 25: Frauenanteil weiterhin gering in wirtschaftspolitischen Beratungsgremien, Internationale Aktionäre drängen auf höheren Frauenanteil in Japan, Apples Diversity-Managerin geht

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich erinnere mich an ein interessantes Gespräch vor einigen Jahren auf einem Sommerfest mit einem Personaler. An einem lauen Abend nach einigen Gläsern Wein wurden die Gespräche offener und lockerer und ich fragte neugierig, worin er die Gründe sieht, dass Frauen seltener in Führungspositionen kämen. Er – vom Wein bereits beseelt – machte das Problem deutlich: „Wenn ich ehrlich sein soll – in den meisten Unternehmen warten die Manager darauf, dass die Frauen Anfang 30 werden, sich für die Familie entscheiden und dann erst einmal weg sind. Dann hat es sich mit der Karriere auch geklärt.“
Ich war beeindruckt von der Offenheit, wütend über den Inhalt seiner Aussage. Doch seitdem denke ich oft daran, dass hinter Frauenförderprogrammen noch immer feste Klischees existieren – darüber, wie Frauen vermeintlich funktionieren würden und auch darüber, wie die Arbeitswelt funktionieren müsse. Dass man auch Lösungen finden kann, kommt nämlich erst langsam in den Köpfen vieler Leute an. Es wird Zeit.

Ihre Alice Greschkow

Frauenanteil weiterhin gering in wirtschaftspolitischen Beratungsgremien:

Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge ist der Anteil der Ökonominnen in den Gremien, die in die Politik wirken gering. In den wissenschaftlichen Beiräten des Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministeriums sind 14 bzw. 15 Prozent der beratenden Wirtschaftsexperten Frauen. In Gremien zu familienpolitischen Fragen ist der Frauenanteil hingegen auffällig hoch: im Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen des Bundeswirtschaftsministeriums sind 63 Prozent Frauen – unter den Ökonomik-Fachkräften sind 80 Prozent Frauen. Auch im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen sind viele weibliche Expertinnen zu finden – nämlich zu 71 Prozent. Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW, erklärt, dass je größer die Interdisziplinarität ist, umso höher ist der Frauenanteil. Da die Arbeit in politikberatenden Gremien oft ehrenamtlich erfolgt, sei es zudem für Frauen schwieriger das Engagement anzunehmen, wenn sie auch Carearbeit in ihrem Privatleben leisten müssen.
diw.de

Internationale Aktionäre drängen auf höheren Frauenanteil in Japan: Die japanische Wirtschaft gehört zwar zu den innovativsten der Welt, allerdings ist die Gesellschaft von traditionellen Werten geprägt. Dies wird an dem niedrigen Anteil von Frauen in Managementpositionen deutlich. Zwar gibt es seit 2018 einen Kodex, der Unternehmen dazu drängt, diverser zu werden, allerdings ist bisher davon wenig zu spüren. Unter den 100 großen Unternehmen des Landes, haben nur zehn Prozent eine Verwaltungsrätin, lediglich ein Prozent hat eine Frau im Vorstand. Internationale Aktionäre üben nun Druck aus und machen das Ungleichgewicht öffentlich. Sie wollen die Unternehmen dazu drängen, diverser zu werden. Dahinter steht nicht zuletzt auch eine ökonomische Sorge – auch in Japan herrscht ein merklicher Fachkräftemangel. Die Sorge besteht, dass die Wettbewerbsfähigkeit leidet, wenn Frauen nicht bei großen Unternehmen arbeiten möchten.
taz.de

Apples Diversity-Managerin geht: Christie Smith verlässt Apple nach nur drei Jahren. Die frühere Unternehmensberaterin war 2017 als „Head of Diversity and Inclusion“ beim Tech-Giganten eingestiegen. Das Unternehmen ließ verlauten, Smith wolle mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und habe sich deshalb für einen Rückzug entschieden. Angesichts der Proteste um Black Lives Matter kommt der Rücktritt zu einem ungünstigen Zeitpunkt – die Position bleibt gegenwärtig unbesetzt.
heise.de

Frauen haben laut Ulrike Detmers weiterhin schlechtere Karrierechancen: Die BWL-Professorin und Sprecherin der Mestemacher-Geschäftsführung sieht Ulrike Detmers die Dynamik zwischen den Geschlechtern im beruflichen Kontext als ungleich an. Männer würden noch stark von Netzwerken zu Entschieden profitieren und würden daher häufiger befördert werden. Detmers empfiehlt Frauen nicht darauf zu hoffen, dass Chefs ihre Talente erkennen würden, sondern sich selbst in Netzwerken an die Entscheiderebene nähern. Damit Gleichstellung klappt, müsse es aktive Unterstützung dafür geben, dass Frauen auch tatsächlich dieselben Chancen erhalten – sonst würden sie übersehen werden.
lebensmittelzeitung.net

«Frauen haben es satt, übergangen zu werden» derbund.ch
Zeit für mehr Vielfalt: Warum die Corona-Pandemie eine Chance für Frauen ist handelsblatt.com
What the Pandemic Reveals About the Male Ego nytimes.com
Dear Women, It’s Time To Own The Difference Your Difference Makes forbes.com
Die Publikationslücke der Frauen faz.net

Die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño könnte die nächste Eurogruppen-Chefin werden. Nach dem Rücktritt des Portugiesen Mario Centeno wurde sie von der spanischen Regierung vorgeschlagen – Gegenkandidaturen gibt es bisher nicht. Calviño ist zudem Dritte Vizepräsidentin Spaniens. Sie hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Complutense (Madrid) sowie Rechtswissenschaften in einem Fernstudium abgeschlossen. Zwischen 1991 und 1994 lehrte sie selbst Wirtschaftswissenschaften an der Universität Complutense. 2006 arbeitet die Politikerin als Generaldirektorin für Wettbewerb in der Europäischen Kommission, 2010 wurde sie zur Generaldirektorin für Binnenmarkt, 2014 wechselte sie in die Generaldirektion für Haushaltsplanung. In das Kabinett von Pedro Sanchez wurde sie 2018 berufen.

Foto: Ministry of the Presidency. Government of Spain, Attribution, commons.wikimedia.org

Laut KPMG-Befragung fühlen sich lediglich
43 Prozent der Frauen

dabei wohl über ihre Leistungen zu sprechen.
info.kpmg.us

Warum Frauen im Handwerk selten in Führungsposten kommen: Im Handwerk machen Frauen mittlerweile ein Fünftel der Auszubildenden aus, so ist auch fast ein Fünftel der Fachkräfte mit Meisterbrief weiblich. Allerdings steigen sie selten in die Führungspositionen auf. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Handwerkerinnen beschreiben, dass es bei familiengeführten Betrieben über lange Zeit nicht akzeptabel war, dass Töchter die Führung übernehmen – Söhne oder Schwiegersöhne seien dafür verantwortlich. Zweifel an der körperlichen Leistungsfähigkeit wurden dabei deutlich. Weibliche Führungskräfte betonen allerdings, dass das Management primär administrativ sei – daher seien körperliche Eigenschaften nicht mehr so wichtig. Frauen berichten allerdings auch davon, dass ihnen in Männerdomänen die Kompetenz abgesprochen wird – was sich oft in den Gehältern widerspiegelt. Allerdings sind die Trends zur Emanzipation nicht mehr von der Hand zu weisen: während klassisch viele Handwerkerfrauen im Betrieb Tätigkeiten erfüllten – oft ohne Vergütung – können sich junge Frauen in Familienbetrieben eine solche Rolle nicht mehr vorstellen. Sie suchen ihren eigenen Weg und fordern mehr Verantwortung.
bnn.de

Familienunternehmen bevorzugen Männer: Nachdem in der vergangenen Woche eine Studie der AllBright-Stiftung auf das Geschlechterungleichgewicht in den Geschäftsführungen von Familienunternehmen aufmerksam machte, äußerten sich einige Firmen, weshalb dies so sei. Unter anderem erklärten Bosch und Miele, dass man sich für die Förderung von Frauen einsetze, aber die Familien in der Regel das letzte Wort bei der Besetzung von der Geschäftsführung hätten. Unternehmerinnen kritisieren, dass Familienunternehmen noch ein antiquiertes Frauenbild hätten – und auch aus Businessnetzwerken rekrutieren wurden, in die Frauen nicht reinkämen. Monika Schulz-Strelow, Präsidentin des Vereins „Frauen in die Aufsichtsräte“, sieht zwar auch Positivbeispiele unter den Familienunternehmen wie bei Liebherr, allerdings habe sie selbst oft beobachtet wie weibliche Erbinnen ausbezahlt würden, während Männer Verantwortung übernehmen sollen.
welt.de

Frauen in der IT-Branche müssen sich beweisen: Julia Wiencirz, Managerin des Solution Engineering Teams bei Applause, erklärt im Interview wie stark Frauen sich das Vertrauen erarbeiten müssen, das Männern häufig automatisch gegeben wird. Die IT-Expertin erklärt selbst, dass sie häufig in Situationen war, in denen sie nicht in Gespräche einbezogen wurde – bis ihr Umfeld verstand, dass sie eine relevante Rolle hat. Stereotype gegenüber weiblichen Führungskräften seien ebenfalls oft vorhanden – während man Männern als individuelle Führungspersönlichkeiten sehe, würden Frauen oft über einen Kamm geschert werden. Wiencirz ermuntert Frauen keine Scheu vor Tech zu haben – die weibliche Perspektive sei in der IT-Entwicklung wichtig und viele Unternehmen seien sehr bemüht Frauen zu finden.
entwickler.de

Ich war nie wütend, sondern verletzt und verwirrt.

Sängerin Keisha Buchanan über die Zuschreibung als „Angry Black Woman“ und Rassismus in der Musikbranche.
deutschlandfunk.de

Foto: Man Alive! / CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Buchtipp: „Mission Female. Frauen. Macht. Karriere.“: Frederike Probert hat in ihrem neuen Buch „Mission Female. Frauen. Macht. Karriere.“ Praxistipps für Frauen im Berufsleben zusammengetragen. Dort schreibt sie: „Frauen machen die Arbeit, Männer machen Karriere“ und erklärt, welche die Fallen sind, in die Frauen in der Regel tappen. Ein Buchauszug ist in der Wirtschaftswoche verfügbar:
blog.wiwo.de