KW 27: Female Founders Monitor 2020 zeigt Ungleichgewicht in der Startup-Welt, Giffey hofft auf Unterstützung von Merkel, Managerinnen berichten über Stereotype

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„verschlimmbessern“ ist eines der interessantes und treffendsten Worte der deutschen Sprache. Es drückt aus, wenn etwas wirklich gut gemeint war – aber zu schlechteren Ergebnissen führt. So scheint es in vielen Unternehmen bei der Feedback-Kultur zu sein. Erste Studien weisen darauf hin, dass Frauen, die unbefriedigend arbeiten ein freundlicheres, aber unehrlicheres Feedback als ihre männlichen Kollegen erhalten. Klar – es ist „nett gemeint“, aber problematisch. Es wird nämlich zu einem Hindernis mit der Zeit – Frauen erhalten die wertvollen Tipps nicht, wie sie sich verbessern können. Das ist das Gegenteil von dem was in der Arbeitswelt nötig ist – z.B. aufrichtiges Mentoring und Coaching. Warum ist das so? Traut man es erwachsenen Frauen nicht zu schwere Botschaften zu verdauen? Das wäre infantilisierend. Ich glaube, viele Chefs wissen schlicht nicht, wie sie Feedback geben – schon gar nicht Frauen gegenüber. Es dauert bis sich soziale Codes so angepasst haben, dass sich Teams im professionellen Kontext sicher genug in ihrer Kommunikation fühlen. Das ist bei diversen Teams immer eine Herausforderung. Männer können sich untereinander die Meinung auch in aggressivem Ton sagen und danach gemeinsam ein Feierabendbier trinken – das sind soziale Kodizes, die vertraut sind. Es wird wahrscheinlich lange dauern, bis sich neue Gewohnheiten einstellen – die Ergebnisse werden jedoch besser, je mehr Frauen ihren Platz auf der Karriereleiter gefunden haben.

Ihre Alice Greschkow

Female Founders Monitor 2020 zeigt Ungleichgewicht in der Startup-Welt:

Der Female Founders Monitor ist zum dritten Mal erschienen und zeigt, welche Hürden Gründerinnen begegnen. Hervorzuheben ist, dass Frauen überproportional im E-Health-Sektor gründen. Insgesamt ist der Anteil der Gründerinnen jedoch kaum gestiegen – Frauen machen 15,7 Prozent der Startup-Gründungen aus. Auffällig ist, dass der Anteil der Startups von Frauen seltener ein großes Wachstum verbuchen – lediglich 5,2 Prozent der Frauen-Teams haben bereits über eine Million Euro an Kapital gesammelt. Bei den Startups mit männlichen Gründern ist es hingegen mehr als jedes vierte Jungunternehmen, das große Kapitalaufnahmen vorweisen kann. Dies liegt zum einen, dass Frauen über schlechtere Netzwerke zu etablierten Unternehmen sowie Investoren haben. Ein anderer Aspekt, der einen Einfluss auf diese Entwicklung hat, ist, dass Frauen häufiger warteorientierte Unternehmen im Bereich der Green Economy oder Social Entrepreneurship gründen.
femalefoundersmonitor.de

Frauenquote: Giffey hofft auf Unterstützung von Merkel: Familienministerin Franziska Giffey möchte die Frauenquote in Vorstandsgremien für Unternehmen aber einer bestimmten Größte ausweiten. Die Politikerin habe bei einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel zustimmende Signale erhalten. Es sei allerdings schwierig mit der Unions-Fraktion eine Ausweitung der Quote durchzusetzen – Giffey möchte, dass große Unternehmen mindestens eine Vorständin haben, wenn der Vorstand mehr als drei Personen Mitglieder hat. Giffey möchte zudem die Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten in mehr Unternehmen durchsetzen – bisher betrifft die Regelung rund 100 Unternehmen, künftig sollen es 600 sein. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen stagniert.

Vodafone Institut startet neue Runde des Förderprogramms F-Lane für Sozialunternehmerinnen: Die Corona-Pandemie trifft Frauen im beruflichen und privaten Kontext stark. Das Vodafone Institut möchte einen positiven Gegenakzent setzen und startet die fünfte Runde seines Förderprogramms F-Lane. Die neue F-Lane-Runde startet im September und möchte Sozialunternehmerinnen Mentoring und Unterstützung dabei bieten langfristige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Aufgrund der Pandemie wird die Neuauflage des Programms virtuell umgesetzt.
presseportal.de

25 Millionen Dollar für „The Mom Project“: Das Startup „The Mom Project“ aus Chicago hat das Ziel Mütter, die nach der Geburt oder Elternzeit zurück ins Arbeitsleben einsteigen wollen mit flexiblen Arbeitgebern zu verbinden. Das Jungunternehmen hat in zwei Finanzierungsrunden 25 Millionen Dollar gesichert, die es für den Ausbau der Plattform nutzen möchte. Dabei soll ein Matching zwischen Arbeitssuchenden und Unternehmen geben, die passende Angebote für Mütter anbieten. In den USA sind Frauen überproportional häufig arbeitslos geworden – The Mom Project will einen Fokus auf die Beschäftigung von Frauen legen.
techcrunch.com

Frauen bekommen freundlicheres, aber unehrlicheres Feedback: Zwei psychologische Experimente geben erste empirische Hinweise darauf, dass Frauen am Arbeitsplatz weniger ehrliches Feedback erhalten. Probanden wurden mit der Kommunikation mit unbefriedigenden Arbeitskräften beauftragt. Handelte es sich um eine Frau, waren die Probanden weniger harsch in ihrem Urteil, allerdings war ihr Feedback auch weniger aufrichtig. Psychologen sehen darin einen Baustein weshalb Frauen beruflich langsamer vorankommen. Wenn sie aufgrund ihres Geschlechts wichtige Informationen nicht erhalten, die zu einer verbesserten Performance führen könnte, können sie nicht aktiv an sich selbst arbeiten.
qz.com

Effekt auf Geschlechterungleichheit durch Corona-Pandemie nicht belegt: Das Corona-Virus hat Millionen von Menschen in den Homeoffice geschickt – Soziologinnen befürchten eine Retraditionalisierung zulasten von Frauen. Allerdings konnten Untersuchungen dieses Muster bisher nicht beweisen – Männer haben sogar im Haushalt in Relation zu Frauen einen größeren Zuwachs an Zeit für Carearbeit und Haushalt hinzugewonnen. Allerdings befürchten Experten, dass politische Bemühungen für mehr Gleichheit zwischen den Geschlechtern nachlassen könnten. Deutschland hat das Thema im Zuge der EU-Ratspräsidentschaft, die an diesem Mittwoch begonnen hat, vollkommen ausgespart.
deutschlandfunk.de

Niedriglohnsektor: Für Frauen Sackgasse, für Junge Sprungbrett rnd.de
Das sind die reichsten Frauen Deutschlands capital.de
Die Mutter der Ungleichheit faz.net
DFG will stärkere Sichtbarkeit von Frauen an Hochschulen forschung-und-lehre.de
Women in Tech: „Vergesst nicht, dass sich eine Karriere entwickeln muss“ entwickler.de
Japanerinnen werden durch Bild der perfekten Mutter zusehends unter Druck gesetzt sumikai.com
How corporate America’s diversity initiatives continue to fail Black women cnbc.com
Farming could empower millions of women across South Asia – here’s how weforum.org

Mariya Gabriel ist eine bulgarische Politikerin und EU-Kommissarin für Innovation und Jugend. Sie studierte zunächst bulgarische und französische Philosophie in Plovdiv (Bulgarien), anschließend „Vergleichende Politik und Internationale Beziehungen“ in Bordeaux (Frankreich). Seit 2006 ist sie politisch aktiv. Bis zu ihrer Wahl zur Europaabgeordneten im Jahr 2009 arbeitete sie am Institut für Wirtschaftspolitik in Sofia. 2017 wurde sie EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft, seit 2019 hat sie das Ressort Innovation und Jugend übernommen.

Von Foto-AG Gymnasium Melle, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

Laut YouGov-Studie wollen
41 Prozent der Frauen

aus dem Homeoffice zurück ins Büro. Bei den Männern sind es 52 Prozent.
horizont.net

Gleichberechtigung von Frauen in Neuseeland noch nicht erreicht: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern wird als Symbolfigur der Gleichstellung und der erfolgreichen weiblichen Führung betrachtet. Die 39-Jährige Politikerin prägt das Bild für eine progressive Gesellschaft Neuseelands. Tatsächlich ist das Gender-Pay-Gap in Neuseeland halb so groß wie in Deutschland und Frauen haben im Land, das weniger als fünf Millionen Einwohner hat, gute Aufstiegschancen. Nichtsdestotrotz gibt es in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Machtkämpfe und Herausforderungen für Frauen. Ardern vertritt nach außen das Bild einer modernen politischen Figur, allerdings habe sie auch Versprechen gebrochen, um Gleichheit innerhalb der Gesellschaft zu erhöhen.
deutschlandfunkkultur.de

Lohnstruktur der Carearbeit muss verbessert werden: Bettina Kohlrausch, Wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, erklärt im Interview, dass in der Corona-Krise insbesondere geringverdienende Frauen hart getroffen sind. Sie arbeiten oft in Branchen, in denen Kurzarbeit nicht aufgestockt wird und das normale Bruttogehalt verhältnismäßig niedrig sei. Kohlrausch fordert, dass die Lohnstruktur in systemrelevanten Berufen verbessert wird. Die Politik kann zwar nicht in die Tarifautonomie eingreifen, allerdings bei der Vergabe von Aufträgen im öffentlichen Dienst auf faire Vergütung achten. Mit der Aufwertung der professionalisierten Care-Arbeit könnte auch die private Care-Arbeit an Bedeutung gewinnen.
vorwaerts.de

Managerinnen berichten über Stereotype: Auf dem Weg nach oben haben Deutsche-Bahn-Vorständin Sigrid Nikita und Multi-Aufsichtsrätin Simone Menne eine Reihe von Vorurteilen ertragen müssen. Nikita berichtet, dass sie aufgrund ihres dominanten Verhaltens kritisiert wurde, obwohl dieselben Eigenschaften an Männern wertgeschätzt werden. Zudem habe man versucht sie mit ihrer ersten Schwangerschaft von der Karriereleiter zu verdrängen, da sie sich um ihre Kinder kümmern müsse. Menne hingegen erlebte, dass Arbeitnehmer ein Problem damit hätten, wenn eine Frau ihre Chefin ist. Die Widerstände, die Frauen erleben, seien zu einem signifikanten Teil gesellschaftlicher Natur.
n-tv.de

„Wenn wir als Frauen darauf warten, dass die Welt sich ändert und uns die Tür aufhält, dann wird das sehr lange dauern. Es ist an der Zeit, dass Frauen daran glauben, dass ihre Ideen es wert sind, in die Welt getragen zu werden.“

Franziska Weser, Gründerin des Startups „Heartucate“.
faz.net

Oscar-Akademie will mehr Frauen gewinnen: Der Verband, der die Oscar-Preise vergibt, möchte seit Jahren diverser werden. In diesem Jahr wurden 819 Filmschaffende eingeladen, um Teil der Akademie zu werden, die für die Abstimmung zuständig ist. 45 Prozent der Einladungen sind an Frauen gegangen, zudem wurde darauf geachtet, dass ein Drittel an Menschen aus unterrepräsentierten Minderheiten adressiert war.
rnd.de