KW 3: Praktische Maßnahmen, die zu einem höheren Frauenanteil in Organisationen führen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wieso dauert die Inklusion von Frauen in die Führungsreihen so lang? Diese Frage stellen sich wahrscheinlich viele und es scheint gar kein Mysterium zu sein: Wenn ein traditionelles männliches Bild von Arbeit und Leistung als Standard besteht, müssen sich auch Frauen daran orientieren – unabhängig davon wie fremd ihnen bestimme Kommunikationsstile oder Verhaltensweisen sind. Im Englischen spricht man vom „default male“ – der Art wie alles daran gemessen wird wie Männer es tun oder bewerten würden. Wenn man allerdings davon loslässt und kreativ wird, klappt es plötzlich mit dem höheren Frauenanteil. Sogenannte Förderprogramme sind noch immer notwendig. Der Name ist dabei etwas irreführend, weil er suggeriert, dass Frauen nicht qualifiziert genug seien und man sie in ihrer Kompetenz fördern müsse. Dabei sind derartige Programme häufig schlicht eine Annäherung an weibliche Verhaltensweisen und Lebensrealitäten. Die Einführung von flexiblen Arbeitszeiten oder explizit konstruktives Feedback sind Aspekte, die einen großen Effekt haben können. Man fragt sich, weshalb man sich gegen derartige Schritte so lange gesträubt hat. Gut, dass diese Zeiten langsam vorbei sind.

Ihre Alice Greschkow

Praktische Maßnahmen, die zu einem höheren Frauenanteil in Organisationen führen:

In den USA gehören insbesondere Frauen zu den Verliererinnen auf dem Arbeitsmarkt. Im September waren 80% der Entlassenen Frauen. Laut Colleen Ammerman und Boris Groysberg von der Harvard Business School fällt aufgrund der Rezession das Thema Diversity in der Prioritätenliste. Die Autoren mahnen allerdings davor. Langfristig würde dies die Wettbewerbsfähigkeit schmälern. Stattdessen sehen sie, dass konkrete Maßnahmen zur Frauenförderung echte Ergebnisse erzielen: JPMorgan Chase entwickelte ein spezielles Programm für Frauen, die nach der Geburt eines Kindes wieder ins Berufsleben einsteigen wollen. Bereits in den 1980-ern entwickelte der Manager Jack Rivkin Prozesse, die weibliche Business Analystinnen fördern sollten – dazu gehörte, dass sie bessere Zugänge zu Informationen erhalten und ehrliches Feedback, das Frauen oft enthalten wird. Zusätzlich führte er flexible Arbeitszeiten ein. 2005 implementierte das Gesundheitsunternehmen Baxter International Maßnahmen zur Frauenförderung wie die paritätische Besetzung von Gremien. In allen Fällen stiegen die Verkaufszahlen und die Personalrotation sank. Praktische Maßnahmen können einen großen Effekt haben, sofern Unternehmen bereit sind in Frauen als Arbeitskräfte zu investieren.
hbr.org

Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

Frauen kommen langsam in die Führungspositionen der großen Unternehmen: In Deutschland ist der Weg zu mehr Gleichheit ein langsamer. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung stellt in einem Bericht fest: „In den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland waren im Herbst des vergangenen Jahres nur 101 von 878 Vorstandsmitgliedern Frauen“, und weiter: „Das entspricht einem Anteil von rund zwölf Prozent, nur gut ein Prozentpunkt mehr als im Jahr zuvor.“ Der Personalberatung Rüssel Reynolds ergänzt jedoch mit aktuelleren Zahlen – mittlerweile sei der Frauenanteil bei 15,3 Prozent in den DAX-Unternehmen und würde mit beschlossenen Neueinstellungen 16,9 Prozent im laufenden Jahr anwachsen.
sueddeutsche.de, azonline.de

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Home-Office und Arbeitsrecht während der Pandemie – Kraft des Faktischen schlägt rechtliche Vorgaben?: Was lange Zeit unmöglich schien, ist durch die Pandemie nun millionenfache Selbstverständlichkeit geworden: Arbeiten im Home-Office. Doch auch wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich überwiegend an die neuen Begebenheiten gewöhnt haben, bleiben eine Vielzahl rechtlicher Fragen offen: Können Arbeitnehmer zum Arbeiten von Zuhause gezwungen werden? Wer muss für Arbeitsmittel und Gesundheitsschutz aufkommen? Und welche Vorgaben gibt es beim Datenschutz im Home-Office? Deutschlands führende Steuerberatungsgruppe ETL klärt über diese und weitere Fragen auf.
youtube.com

In diesen Ressorts arbeiten Vorständinnen am häufigsten: Laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft Horváth & Partners sind weibliche Vorstandsmitglieder in den Dax-Unternehmen Deutschlands am häufigsten in den Ressorts Finanzen (24 Frauen) und Personal (22 Frauen) zu finden. Dies macht 45 Prozent aller weiblichen Vorständinnen aus. Sehr viel seltener sind Frauen im operativen Geschäft (6 Frauen zu 57 Männer), bei Forschung und Entwicklung (3 zu 35) oder Marketing (2 zu 32) zu finden. Oliver Greiger, Partner bei Horváth & Partners erklärt dazu: „Natürlich muss es bei der Besetzung von Führungspositionen immer um die beste fachliche Eignung gehen, doch für die kommende Zeit sollte die Maxime gelten: im Zweifelsfall für die Frau.“
zfk.de

Women in Tech: „Feiert eure Erfolge, egal ob groß oder klein“ entwickler.de
Kommt für Frauen der „Corona-Rollback“? n-tv.de
Das Paula-Prinzip: Warum Frauen immer noch schlechtere Karrierechancen haben desired.de
Kind und Karriere: So gelingt der Spagat praxistipps.focus.de
Wo ist die alte weiße Frau? zeit.de
Right-wing Jewish Home party elects first female leader timesofisrael.com
Is NASA about to get its first female leader? space.com
14 Effective Ways To Ensure More Women Land In Leadership Roles forbes.com

Cecilia Rouse ist eine US-amerikanische Ökonomin und Dekanin an der Princeton School of Public and International Affairs. Sie wurde vom neugwählten Präsidenten Joe Biden in den Sachverständigenrat, dem Council of Economic Advisers, berufen. Dort soll sie dem Demokraten dabei helfen den Arbeitsmarkt wiederzubeleben. Rouse hielt diese Position bereits unter Bill Clinton und Barack Obama. Allerdings befördert Biden sie die Wirtschaftswissenschaftlerin: Sie wird dem Sachverständigenrat vorsitzen.

Foto: White House, Gemeinfrei

In Thüringen beträgt das Gender Pay Gap
6,3 Prozent

und fällt damit am niedrigsten in ganz Deutschland aus.
sueddeutsche.de

Jutta Allmendinger fordert die 32-Stunden-Woche für alle: In ihrem neuen Buch „Es geht nur gemeinsam! Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen“ zeichnet die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, einen alternativen Weg für die Gesellschaft. Die Wissenschaftlerin kritisiert in einem Interview mit dem Freitag, dass Deutschland – insbesondere im Westen – sehr traditionelle Werte reproduziert, die dazu führen, dass Frauen bei der Rente und der finanziellen Unabhängigkeit schlechtere Karten haben als Männer. Zusätzlich beobachtet sie, dass während der Pandemie viele Frauen eine Mehrbelastung zwischen Arbeit, Homeschooling und Mental Load erfahren. Sie bringt daher die 32-Stunden-Woche ins Spiel. Männer würden dabei etwas weniger, Frauen etwas mehr arbeiten als es bisher im Schnitt der Fall ist. Gefahr für die Wirtschaft und Produktivität sieht sie dabei nicht.
freitag.de

Diversity muss im gesamten HR-Zyklus mitgedacht werden: Yvonne von de Finn ist Head of Culture, Diversity und Survey bei der Deutschen Telekom und beobachtet, an welchen Stellen der Konzern Fortschritte in puncto Diversity macht – und wo es noch hakt. Die Kulturgestalterin ist froh über den verhältnismäßig hohen Frauenanteil in Aufsichtsrat und Vorstand (45, bzw. 37,5 Prozent), das Ziel bestehe weiterhin in allen Führungsebenen einen Frauenanteil von 30 Prozent zu erreichen. Von de Finn erklärt, man müsse dafür Diversität vom Recruiting bis über die Förderung an allen Stellen von HR mitdenken. Für sie Diversity nicht nur eine Frage der Chancengleichheit, sondern auch der Talenakquise für Unternehmen.
businessinsider.de

Ich beabsichtige, unermüdlich als Ihre Vizepräsidentin zu arbeiten, einschließlich, falls nötig, diese verfassungsmäßige Pflicht zu erfüllen.“

Die US-amerikanische Vizepräsidentin Kamala Harris anlässlich ihrer Amtseinführung am Mittwoch.

Foto: Office of Senator Kamala Harris, Gemeinfrei

Arbeitende indonesische Frauen empfinden höhere mentale Belastung in der Pandemie: Einer Untersuchung zufolge sind Stress und Druck für indonesische Frauen in der Corona-Pandemie merklich gestiegen. Insbesondere Frauen, die in männlich dominierten Umfeldern arbeiten, beklagen sich, dass sie beispielsweise im Homeoffice jenseits der konventionellen Arbeitszeiten Aufgaben erhalten oder die Arbeitgeber keine Sensibilität bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben.
theconversation.com