KW 34: Warum Homeoffice für Frauen schädlich sein kann, DGB sieht wachsende Altersarmut, Erfolgreiches Corona-Management ist nicht weiblich

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wenn über Diversität und die Rolle der Frauen auf dem Arbeitsmarkt gesprochen wird, sind die Führungspositionen oft der Parameter, an dem Erfolg gemessen wird. Die Anzahl der Frauen wird gezählt, Förderprogramme für große Karrieren wurden längst aufgelegt. Dies ist wichtig und sorgt dafür, dass es selbstverständlicher wird, dass Frauen Führung übernehmen. Die Corona-Pandemie wird allerdings nicht gut ausgebildete Frauen in Führungspositionen am härtesten treffen. Die Corona-Pandemie trifft die durchschnittliche Frau härter, die ihren Job verliert oder schlicht häufiger im Homeoffice anstatt im Büro sitzt. Ein Teil der Frauen könnte wieder unsichtbar werden. In dieser Ausgabe finden Sie einige Insights darüber, warum wir damit rechnen müssen, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt Nachteile erfahren werden. Ich halte dies für besorgniserregend, denn die negativen Konsequenzen liegen auf der Hand: auf individueller Ebene sinkt das Wohlstandsniveau, auf gesellschaftlicher Ebene gehen Role Models aus den mittleren Karrierestufen abhanden. Ich bezweifle, dass eine starke Retraditionalisierung erfolgt – doch ich halte eine längere Stagnation für wahrscheinlich. Auch das ist frustrierend. Was tun? Seien wir achtsam und beobachten welche Trends sich in der Extremsituation zwischen Rezession und Pandemie entwickeln. Daraus können wir Wissen generieren, um einen Teil des Schadens abzufedern.

Ihre Alice Greschkow

Warum Homeoffice für Frauen schädlich sein kann

Es ist ein großes Experiment, das die Corona-Pandemie losgetreten hat: Millionen von Menschen arbeiten plötzlich aus dem Homeoffice – und vielen geht es dabei gut. Erste Studien zeigen, dass die Mehrheit der Menschen die gewonnene Zeit durch weniger Pendelfahrten sowie die Autonomie schätzen. Zudem wird Homeoffice als mögliche Chance für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesehen. Allerdings könnte genau das Gegenteil der Fall sein. In der Harvard Business Review argumentieren Professorin Herminia Ibarra, Australiens frühere Premierministerin Julie Gillard und Forscher Tomas Chamorro-Premuzic gegen die Homeoffice-Euphorie. Bisher zeigen die Daten nämlich, dass kinderlose Männer und Frauen sich im Homeoffice ähnlich verhalten: sie erhöhen in vergleichbarem Maße ihre Arbeitszeit. Bei Männern und Frauen mit Kindern, ist die Differenz größer: Mütter erhöhen ihre Arbeitszeit nicht, Väter hingegen schon. Darüber hinaus erwarten die Expertinnen und der Experte, dass es zu einer neuen Präsenzkultur kommen wird, sobald sich Homeoffice etabliert hat: wenn Unternehmen es ihren Teams selbst überlassen, von wo sie arbeiten, werden Männer mit höherer Wahrscheinlichkeit ins Büro fahren und dort Netzwerke aufbauen und vor Vorgesetzten sichtbar sind – während Frauen häufiger Homeoffice in Anspruch nehmen werden. Diese Sichtbarkeit sorgt dafür, dass sie Entscheidern eher im Gedächtnis bleiben, als jemand, der nur per Mail oder Chat kommuniziert. Frauen verpassen im Homeoffice mehr Insider-Wissen. Es ist für sie sowieso schwieriger Kontakte zu knüpfen, die ihnen wertvolle Tipps geben können – aus der Distanz dürfte dies schwieriger werden.
hbr.org, personalwirtschaft.de

DGB sieht wachsende Altersarmut – insbesondere unter Frauen: Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat in Rheinland-Pfalz die Altersarmut untersucht. Das Ergebnis: Seit 2006 ist die Altersarmut kontinuierlich gestiegen, psychische Erkrankungen sind oft Grund für Erwerbsminderungen. Dem „Rentenreport Rheinland-Pfalz 2020“ zufolge, erhalten über die Hälfte der Männer eine monatliche Rente von über 1200 Euro, aber nur 13 Prozent der Frauen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 1061 Euro pro Monat bekommt – dies betrifft 72 Prozent der Frauen und ein Drittel der Männer. Der durchschnittliche Wert für Frauen, die 2018 das erste Mal eine Rente ausgezahlt bekommen haben, lag in Rheinland-Pfalz bei 677 Euro.
sueddeutsche.de

Österreichische Studie: Mehrheit der Unternehmen macht Frauenförderung aus Imagegründen: Laut einer Studie für das Businessnetwerk Business Upper Austria unter 418 Befragten, geben 70 Prozent an, dass Unternehmen kein echtes Interesse an Frauenförderung hätten. Maßnahmen zur Frauenförderung sei laut einem Drittel den Befragten lediglich ein Mittel zur Imagepflege. Zudem geben lediglich zehn Prozent an, dass Frauen in Führungspositionen andere Frauen auch fördern würden. Auch die neue Generation in der Arbeitswelt würde Strukturen, die Frauen von der beruflichen Weiterentwicklung abhalten, nicht ändern. Die Studienautorinnen Regina Nemeth und Ruth Terink geben an, dass Frauen für Karriere und Beruf andere Treiber hätten als Männer – damit jedoch oft im Stich gelassen werden würden und sich infolgedessen zurückziehen. Zudem sagen 60 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen, dass ihrer Auffassung nach das Familienleben für Frauen schlicht wichtiger sei als die Karriere und sie deshalb weniger Erfolge verbuchen würden.
derstandard.de

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livestreaming-berlin.tv

Indischer Lieferdienst gibt 10 Tage Menstruationsurlaub: Ein indischer Lieferdienst hat verkündet, dass Mitarbeiterinnen, die unter starken Regelschmerzen leiden, jährlich bis zu 10 Tagen bezahlten Urlaub nehmen können. In der indischen Kultur ist die Menstruation ein Tabuthema – Frauen gelten während ihrer Periode als unrein und dürfen beispielsweise keine Tempel betreten. Der Chef des Lieferdiensts wolle, dass sich dies ändert. Das Echo auf den Vorschlag ist ambivalent: einerseits unterstützen manche die Idee als progressiv, weil die Bedürfnisse von Frauen in den Fokus rücken. Andererseits kritisieren Gegner der Idee, dass Menstruationsurlaub Frauen schwächer darstellen würde, als sie in Wirklichkeit seien.
spiegel.de, n-tv.de

Darstellung von Frauen auf Unternehmensseiten ist oft stereotypisch: Die Agentur Mashup Communications hat sich die Webseiten der Dax-Unternehmen näher angeschaut und wollte dabei wissen, was für Menschen auf den Webseiten dargestellt werden. Unternehmensseiten sind essenziell für das Employer Branding – ihre Wirkung soll die richtigen Bewerberinnen und Bewerber anziehen. Allerdings: die Frauen, die auf den Fotos abgebildet sind, spiegeln oft Stereotype wider: Knapp 80 Prozent von ihnen lächeln, die Mehrheit ist jung zwischen 20 und 35, in über 40 Prozent der Fälle werden sie als Einsteigerinnen dargestellt, während Männer häufiger als ernste Professionals abgebildet werden. Zwar ist der Frauenanteil insgesamt hoch, aber divers zeigen sich die Dax-Konzerne dennoch nicht. Sie zeigen vornehmlich schlanke, weiße Menschen. Geschäftsführerin Nora Feist bilanziert, dass Unternehmen noch nicht ihr volles Potenzial ausgeschöpft haben, um diverse Talente anzulocken – dafür muss ihre Eigendarstellung Interessierten das Gefühl vermitteln, zum Unternehmen zu passen.
wiwo.de

Immer mehr Frauen in Südostasien im Gefängnis wegen Drogendelikten: In Ländern wie Malaysia, Philippinen, Laos und Thailand ist seit Jahren ein besorgniserregender Trend zu beobachten: Immer mehr Frauen werden in Geschäfte der Drogenmafia gezogen – sie handeln selbst oder transportieren illegale Substanzen. Dies führt dazu, dass die Zahl der inhaftierten Frauen steigt – und immer mehr zu Tode verurteilt werden. In Malaysia sind 95 Prozent der 141 zu Tode verurteilten Frauen in Zusammenhang mit Drogenhandel verhaftet worden.
edition.cnn.com

Teuteberg eiskalt abserviert taz.de
Als Arbeit und Privatleben getrennt wurden sueddeutsche.de
Getrennt und doch zusammen: Eine starke Unternehmenskultur trotz Remote Work xing.com
Auch in der Krise können Frauen gefördert werden – wenn Firmen das wirklich wollen handelsblatt.com
Women in Tech: „Der Gender-Bias führt zu massiven Herausforderungen für alle sozialen, ethnischen und wirtschaftlichen Gruppen“ entwickler.de
Frauenquote im Parlament: SPD-Politiker klagt in Karlsruhe rnd.de
Women Won The Right To Vote 100 Years Ago. They Didn’t Start Voting Differently From Men Until 1980 fivethirtyeight.com

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Tsai Ing-wen ist seit 2016 die Präsidentin Taiwans. Sie stammt aus einer Großfamilie mit elf Kindern, von denen sie die Jüngste ist. Sie studierte Jura in Taiwan und promovierte an der London School of Economics. Ihre politischen Anfänge liegen in der Beratungstätigkeit für den früheren Präsidenten Taiwans Lee Teng-hui 1993. 2000 wurde sie als Parteilose zur Ministerin für Festlandangelegenheiten ins Kabinett berufen. Darauf folgte die Position als Vize-Premierministerin unter Premierminister Su Tseng-chang. Für die Präsidentschaftswahl 2012 kandidierte Tsai als erste Frau für den Posten, unterlag der Wahl jedoch dem amtierenden Präsidenten Ma Ying-jeou. 2016 kandidierte sie zum zweiten Mal und setzte sich mit großer Mehrheit durch. Tsai Ing-wen ist nicht nur die erste Präsidentin Taiwans, sie bricht auch Stereotype und Stigmata. Während ihrer politischen Karriere wurde ihr Privatleben immer wieder Gegenstand öffentlicher Debatten – sie war nie verheiratet und ist kinderlos. Insbesondere konservative Politiker versuchten sie dafür zu diskreditieren.

Foto: 總統府, Attribution

Von den Unternehmen der Fortune-500-Liste werden
38

von Frauen geführt. Neuer Rekord.
edition.cnn.com

Erfolgreiches Corona-Management ist nicht weiblich: Nancy Doyle ist CEO von „Genius Within“ – einer Firma für Organisationsentwicklung – und sie hat ein Problem mit dem Narrativ, dass erfolgreiches Corona-Krisenmanagement weiblich sei. Zwar werden Kanzlerin Angela Merkel oder Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern als Beispiele dafür genutzt, dass weibliche Führung in der Pandemie zu geringerem Infektionsgeschehen führe, Doyle findet diese Beschreibung jedoch falsch – und sogar schädlich. Sie erklärt, dass die (oft gut gemeinte) Debatte um den Erfolg von Frauen in der Politik dazu führe, dass man die Welt mit der Gender-Brille betrachtet. Stereotypische Zuschreibungen im Stil von „Risikobereitschaft = männlich“, „Empathie = weiblich“ würden die Politikerinnen in eine Ecke drängen und sprechen Männern Fähigkeiten ab. Dabei wird kaum über einen anderen Blickwinkel diskutiert – nämlich, dass manche Länder schlicht kompetente Führungspersönlichkeiten gewählt haben. Doyle erklärt, dass Führung ein kollaborativer und intensiver Prozess ist, der kompetente Entscheiderinnen und Entscheider belohnt. Insbesondere für künftige Krisen und Herausforderungen sei es daher wichtig, im gegenwärtigen Krisenmanagement effektive Fähigkeiten und Muster zu identifizieren, anstatt Frauen dafür zu loben, wenn sie vorsichtiger und Männer risikobereiter handeln.
forbes.com

Corona könnte Frauen langfristig aus dem Arbeitsmarkt drängen: In den USA erholt sich der Arbeitsmarkt nach dem historischen Einbruch im zweiten Quartal. Allerdings zeichnet sich ab, dass Frauen langfristig schlechtere Karten auf dem Arbeitsmarkt haben. Dies liegt daran, dass Frauen einerseits häufiger in Dienstleistungsjobs mit Kundenkontakt beschäftigt sind – je nach Infektionsgeschehen sind diese Arbeitsplätze schneller bedroht. Gegenwärtig liegt die Arbeitslosenquote für Männer bei rund neun Prozent, für Frauen bei elf Prozent. Allerdings gibt es erste Anzeichen dafür, dass sich der Trend verschärfen könnte: Mütter stehen vor der Frage, wie die Betreuung ihrer Kinder in den kommenden Monaten gewährleistet werden kann. Je nach Verlauf des Corona-Virus könnten viele Mütter ihren Beruf aufgeben müssen – mit langfristigen Folgen auf ihre Chancen am Arbeitsmarkt und ihren Wohlstand.
edition.cnn.com, post-gazette.com

Neues Buch zu Sexismus in Silicon Valley: Anna Wiener berichtet in ihrem Buch „Code kaputt“ über Stereotype und Erfahrungen in der Tech-Welt an der US-Westküste. Im Silicon Valley würden Frauen ermutigt werden, Gehälter nachzuverhandelen, sich mehr zuzutrauen oder stärker an ihren Kommunikationsfähigkeiten zu arbeiten. Es gäbe jedoch schlicht zu wenige Frauen, erklärten oft männliche Startup-Gründer. Wiener zeigt jedoch ein anderes Bild: Degradierung von Müttern, sexuelle Belästigung und eine feindselige Gründerkultur. Wiener beschreibt, dass selbst diejenigen, die sich feministischen Aktivismus auf die Kappe schreiben, in Stereotypen stecken. Silicon Valley mag innovativ und progressiv im Rech-Bereich sein, bei der Gleichstellung gibt es noch Aufholbedarf.
gruenderszene.de

Die FDP muss dennoch weiter daran arbeiten, Frauen als Mitglieder und Wählerinnen zu gewinnen. Die letzten Wochen waren dahingehend leider ein Rückschritt.

JuLi-Vorsitzende Ria Schröder nach dem Personalwechsel im FDP-Präsidium und dem Abgang von Generalsekretärin Linda Teuteberg.
instagram.com

Foto: Marvin Ruder – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

SAP will Hälfte der Führungspositionen mit Frauen besetzen: SAP-Chef Christian Klein kündigt an, das Unternehmen wolle bis 2030 die Hälfte seiner Führungspositionen mit Frauen besetzen. Der Software-Hersteller war in die Kritik geraten, nachdem nach nur einem halben Jahr die Doppelspitze mit Jennifer Morgan beendet wurde und die Managerin ihren Posten räumen musste. Gegenwärtig sei jede vierte Führungsposition von einer Frau besetzt.
t-online.de