KW 35: Weiblich-geführte Unternehmen erholen sich langsamer, Architektinnen wollen mehr Gleichheit, Frauen scheuen Kommunalpolitik noch immer

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

manchmal ist es von Vorteil einen Migrationshintergrund zu haben – er bietet nämlich eine weitere Perspektive. Diese ist hilfreich, um das Klischee des Pferdemädchens zu verstehen, das offenbar noch immer in Kinderbüchern verbreitet wird. Die Süddeutsche Zeitung hat eine starke Datenanalyse zu dem Thema gemacht, die Sie im Newsletter finden.

Diese symbiotische Beziehung zwischen Mädchen und Pferd ist etwas sehr deutsches für mich. Ich konnte es nie nachvollziehen, warum in der Grundschule Pferdesticker getauscht wurden – mir wurden keine Geschichten von Ponyhöfen vorgelesen. Daher habe ich diese Geschichten auch stets als kitschige Landromantik begriffen – oder wie mein sechsjähriges Ich sagte: „Pferde stinken.“ Mittlerweile sehe ich, dass diese kindlichen Prägungen einen Effekt auf das Selbstbild von Mädchen haben. Aber ich sehe auch – es ist kein Naturgesetz, dass Mädchen magisch von Pferden angezogen werden.

Deutschland verharrt an vielen Stellen noch in konservativen Mustern, was auch an den Geschichten liegt, mit denen Frauen sozialisiert werden. Ich will niemandem die Leidenschaft zu Pferden, Bauernhöfen und dem Reiten absprechen – es handelt sich ja auch um einen eleganten Sport. Doch ob diese Geschichten dazu beitragen, dass Mädchen einen Sinn für ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten entwickeln, wage ich zu bezweifeln.

Ihre Alice Greschkow

Weiblich-geführte Unternehmen erholen sich in den USA langsamer:

Erste Daten der US-Handelskammer geben einen Einblick in den wirtschaftlichen Wiederaufbau von Kleinunternehmen. Nach dem massiven Absturz im zweiten Quartal, hellt die Stimmung im dritten Quartal wieder auf. Allerdings gibt es einen Unterschied – Unternehmen, die von Frauen geführt werden, erholen sch langsamer. Einer Umfrage unter CEOs ergab, dass Männer in allen Parametern optimistischer sind – von der Stabilität ihrer Unternehmen bis hin zu Perspektiven auf Neuanstellungen. Woran das genau liegt, ist schwer abzuleiten. Eine Möglichkeit ist, dass Frauen ihre Selbstständigkeit in Branchen aufbauen, bei denen der menschliche Kontakt Fokus steht – beispielsweise Erziehung, Pflege, Gesundheit und Wellness. Die Corona-Krise trifft diese Bereiche härter. Ein anderer Faktor kann in der Selbsteinschätzung liegen, denn Männer sind in der Regel oft optimistischer und mutiger bei ihren Zukunftsplänen.
fortune.com

Frauen scheuen Kommunalpolitik noch immer: Trotz vieler Bemühungen Frauen in die Politik zu bekommen, bleibt ihr Anteil in Kommunal- und Landespolitik gering. Politikerinnen berichten vom größten Problem: die Vereinbarkeit zwischen Politik und Familie ist mit der Reihe von Abend- und Wochenendveranstaltungen nicht möglich. Auch seien weiterhin Frauen konfliktscheuer. In der Praxis hätten sie zwar ein großes Interesse daran, ihr Umfeld mitzugestalten, allerdings fehle es insbesondere in der Kommunalpolitik an weiblichen Vorbildern. Im Präsidium des deutschen Städtetags sind lediglich zwei Frauen vertreten: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sowie Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf.
berliner-zeitung.de

Brandenburgs Paritätsgesetz steht auf der Kippe: Nachdem bereits das Thüringer Paritätsgesetz scheiterte, könnte auch der nächste Versuch in Brandenburg jäh enden. Staatsrechtler bemängeln, dass das Paritätsgesetz gegen das Grundgesetz verstößt. Es hatte zum Ziel mehr Frauen in die politischen Ämter zu bringen. Der Anteil von Frauen in der Politik sinkt wieder. Die Frage soll gerichtlich geklärt werden. Die Verfassungsrechtlerin Jelena von Achenbach vertritt den Brandenburger Landtag vor dem Potsdamer Verfassungsgericht. Für sie geht es um demokratische Repräsentation: „Meine Überzeugung ist, dass es eine Demokratiefrage ist. Es geht hier um die Verwirklichung der Demokratie auf der Grundlage eines Repräsentationsverständnisses, in dem die Vielfalt im Volk, politische und gesellschaftliche Diversität, im Parlament zum Ausdruck kommen muss. Und das kann nicht funktionieren, wenn eine strukturelle Imbalance zwischen Männern und Frauen dauerhaft existiert.“ Unter Juristen gibt es keine Einigkeit darüber, ob das Paritätsgesetz mit dem Grundgesetz konform ist oder nicht.
deutschlandfunk.de

Ägyptische Frauen wehren sich gegen sexuelle Gewalt: In sozialen Netzwerken teilen ägyptische Frauen Erfahrungen mit sexueller Gewalt und Belästigung. Sie fordern rechtlichen Schutz gegen Übergriffe, die häufig unter den Teppich gekehrt werden. Mittlerweile sind erste öffentliche Personen wegen der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs zurückgetreten, darunter Verleger und Journalisten. Frauen in Ägypten müssen allerdings noch immer befürchten, selbst gestraft zu werden, sollten sie Sexualdelikte anzeigen. Bei Vergewaltigungen wird ihnen teilweise der Verstoß gegen „familiäre Grundsätze“ vorgeworfen. Die Aktivistinnen hoffe, dass sie in Ägypten einen verzögerten #MeToo-Moment schaffen können und setzen dabei auf die Unterstützung der Zivilgesellschaft.
zeit.de

Kinderbücher voller Stereotype: Jungs erleben Abenteuer, Mädchen gehen auf den Ponyhof – so lassen sich die Stereotype in Kinderbüchern zusammenfassen. Die Süddeutsche Zeitung hat Daten analysiert und aufbereitet, die zeigen, wie gravierend die Unterschiede sind. In Büchern mit männlichen Protagonisten geht es um eine Reihe von Motiven – Freundschaft, Reisen, Abenteuer. Das thematische Netz beinhaltet viele Schlagwörter, die eng miteinander verwoben sind. Bei Büchern, die sich an Mädchen richten, gibt es weniger Komplexität – Mädchen bewegen sich in kleineren Welten zwischen Familienleben und Ponyhof.
projekte.sueddeutsche.de

Architektinnen wollen mehr Gleichheit: Im Juni 2021 soll das Festival Women in Architecture (WIA) stattfinden – die Organisatorinnen fordern mehr Gleichheit in der Branche. Es gäbe große Gehaltsunterschiede und Frauen sind nur selten in Führungspositionen vertreten. Eine Studie der Technischen Universität München konstatierte: „Gerade unter den vorherrschenden Arbeitsbedingungen in der Architektur scheint die Vereinbarkeit von Familie und Beruf problematisch, denn die Entgrenzung von Arbeit und die zeitintensiven Tätigkeiten verhindern diese oftmals. Architektinnen stehen daher vor der Entscheidung, sich selbständig zu machen (was zwar mehr Freiheit, aber auch mehr Risiko birgt) oder in Baubehörden zu arbeiten, in denen sie von sicheren Arbeitsbedingungen profitieren. Schwangerschaft und Mutterschaft bedeutet aber für Architektinnen nach wie vor ein Karriere-Hemmnis.“
Die Organisatorinnen des Festivals möchten, dass Frauen sichtbarer werden – bei WIA soll ein erster Aufschlag dazu gelingen.
konii.de

Warum immer noch so wenige Frauen Chefin sind nrz.de
Freiheitskampf in Belarus: Das weibliche Gesicht der Revolution rp-online.de
Women in Tech: „Frauen im MINT-Bereich müssen selbstbewusst sein und ein dickes Fell haben.“ entwickler.de
Männerdominanz in der Chirurgie: Operation Frau faz.net
Step Up – Der Female Leadership Talk she-works.de

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Caroline Criado-Perez ist eine in Brasilien geborene britische Journalistin. Sie beschäftigt sich mit Gender Data Gaps und hat das Buch „Unsichtbare Frauen: Wie eine von Männern gemachte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert“ im vergangenen Jahr veröffentlicht. Criado-Perez hat diverse Initiativen zur Sichtbarkeit von Frauen gestartet, unter anderem die Website „The Woman’s Room“, um die Sichtbarkeit von Expertinnen und Journalistinnen zu erhöhen.
Ursprünglich wollte sie Opernsängerin werden und finanzierte sich die Ausbildung mit Online-Marketing. Als sie dagegen entschied ihren Berufswunsch weiter zu verfolgen, studierte sie zunächst abends Englische Literatur und besuchte später das Keble College der University of Oxford.

Foto: Open Data Institute Knowledge for Everyone c/o:Paul Clarke -, CC BY-SA 2.0

Der Anteil der Kandidatinnen für die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen liegt bei
18,9 Prozent.

Damit Frauen beruflich aufsteigen, braucht es die richtige Firmenkultur: Oft wird der geringe Frauenanteil in Führungspositionen damit erklärt, dass Frauen schlicht nicht aufsteigen wollen. Sie würden sich aktiv dagegen entscheiden mehr Aufwand für den Job zu betreiben. Bei einer Leadership-Gruppendiskussion der Universität St. Gallen wurde diskutiert, ob dem wirklich so sei. Es zeigt sich: das „Nicht-wollen“ muss hinterfragt werden. Es gehe vielmehr darum, dass Frauen sich in Unternehmen an männliche Regeln anpassen müssen – laut, extrovertiert und von sich selbst überzeugt wirken müssen. Dass sie auf diesem Weg zusätzlich mit Vorurteilen und kämpfen müssen, wird oft übersehen. Ihnen wird oft weniger zugetraut. Um diesen kulturellen Umstand aufzubrechen, reiche es nicht allein 50 Prozent Frauen einzustellen – solange der Ton noch immer von Männern angegeben wird. Zumal sich Unternehmen auch bei einer paritätischen Beschäftigungsquote zeigt, dass Frauen abarbeiten und Männer führen – auf diese Weise verändert sich die Kultur nicht. Vorgesetzte müssen aktiv daran arbeiten, eine inklusive Kultur zu schaffen, in der Frauen sich wohl fühlen ihre eigenen Ziele zu realisieren.
handelszeitung.ch

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Warum Unternehmen von der Frauenquote profitieren würden: Gründerin Virginie Brand unterstützt die Frauenquote – von ihr würden nämlich auch Unternehmen profitieren. Die Befürchtung, dass durch eine Quote weniger qualifizierten Frauen gut qualifizierten Männern den Job wegnehmen würden, bewahrheitet sich nämlich nicht – dies fand eine schwedische Studie heraus. In der Quotendiskussion wird oft unterstrichen, dass es im Beruflichen lediglich um die Kompetenz gehen soll – allerdings sind dafür sehr viele durchschnittlich qualifizierte Männer an Führungspositionen gelangt. In der Praxis geht es nämlich nicht immer nur um Kompetenz bei der Beförderung. Eine Quote würde dazu führen, dass besser qualifizierte Frauen weniger begabte Männer ersetzen – Männer, die gut qualifiziert sind, müssen sich keine Sorgen machen. Unternehmen würden davon profitieren, dass sie insgesamt ein besser aufgestelltes Personal haben – dies führt zu besseren Ergebnissen.
meedia.de

Zwei Topkarrieren, drei Kinder – Vereinbarkeit ist schwer: Wirtschafts- und Politikberaterin Katrin Suder und Sportmanagerin Katja Kraus erklären im Podcast „Die Boss“ von Simone Menne, wie sie ihr Leben organisieren. Das Erfolgspaar räumt ein, dass es nicht leicht ist, drei Kinder und zwei Karrieren unter einen Hut zu bekommen: „Ich würde sagen, wir kriegen es nicht organisiert. Wir leben mit der Unvollkommenheit und versuchen, das mit bestmöglichem Humor hinzunehmen und immer wieder neu auszuhandeln, wo wir Kompromisse machen und wo nicht. Aber es ist täglich eine neue Herausforderung“, erklärt Kraus. Beide Frauen haben kürzlich das Beratungsunternehmen TAE (Think Act Effect) gegründet und wollen mehr Frauen in Top-Positionen bringen.
stern.de

Ich glaube, dass gerade Angela Merkel das Streben der Weißrussen nach Freiheit und Demokratie sehr gut verstehen kann. Das ist wichtig. Denn wir wissen alle, dass sie die mächtigste Frau der Welt ist. Sie kann direkt Kontakt zu Lukaschenko aufnehmen oder zum russischen Präsidenten und die Situation aus ihrer Sicht erklären. So kann sie alle Beteiligten dazu drängen, endlich in einen Dialog mit uns zu treten. Ich erwarte von Frau Merkel, dass sie die Situation positiv beeinflusst.“
Die belorussische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja.
welt.de

Foto: Serge Serebro, Vitebsk Popular News – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Kritik von weiblichen Führungskräften wird härter aufgenommen: Einer Studie zufolge wird die Kritik von weiblichen Führungskräften in Kontrast zu männlichen Führungskräften als härter aufgenommen – und kann sogar zu Mitarbeiterunzufriedenheit führen. Insbesondere Männer sind härter weiblicher Kritik getroffen – bei der Studie unter 2700 Teilnehmern ging bei 70 Prozent der männlichen Angestellten die Zufriedenheit mit dem Unternehmen zurück, wenn eine Frau sie kritisierte. Der Grund: die Kritik wird persönlich genommen.
onlinemarketing.de