KW 4: Bundesarbeitsgericht stärkt Frauen bei Lohngleichheit, Klischees in MINT-Berufen schrecken Frauen ab

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was passiert, wenn eine Frau weniger verdient als der Durchschnitt ihrer männlichen Kollegen und der Arbeitgeber sagt, dass dies mit der Qualifikation zusammenhinge? Das ist die Prämisse der Top-Story in dieser Ausgabe des Female-Leader-Newsletters. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass der Arbeitgeber nun in der Beweispflicht ist. Er müsse darlegen, dass es sich nicht um Geschlechterdiskriminierung, sondern um eine Qualifikationsfrage handle. Schließlich sei die bestbezahlte Person in der Berufsgruppe eine Frau. Mich interessiert: Ist Ihnen eine ähnliche Situation begegnet? Wie sind Sie damit umgegangen? Wird zu schnell von Diskriminierung gesprochen oder wird Qualifikation zu schnell als Ausrede für Diskriminierung genutzt? Ich würde mich sehr über Zuschriften freuen – ich reagiere am schnellsten auf LinkedIn.

Ihre Alice Greschkow

Bundesarbeitsgericht stärkt Frauen bei Lohngleichheit: Ein Fall aus Niedersachsen sorgt für Aufsehen. Eine Abteilungsleiterin der Landschaftlichen Brandkasse Hannover hatte nach Entgelttransparenzgesetz Einsicht gefordert in die Gehälter der Belegschaft gefordert. Sie befürchtete, dass sie weniger verdienen würde als ihre männlichen Kollen. Tatsächlich gab es eine Differenz: Die Abteilungsleiterin verdiente weniger als das Medianeinkommen der männlichen Kollegen in derselben Position. Sie forderte eine Gehaltserhöhung, jedoch lehnte der Arbeitgeber mit der Begründung ab, dass der Gehaltsunterschied aufgrund von Erfahrung und Qualifikation zustandegekommen sei – und nicht infolge von Geschlechterdiskriminierung. Die Frau klagte. Nachdem das Landesarbeitsgericht in Göttingen ihrem Arbeitgeber Recht gab, entschied das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, es sich um Geschlechterdiskriminierung handle, wenn eine Person in gleicher Position wie eine Gruppe von Menschen des anderen Geschlechts weniger als das Medianeinkommen dieser Gruppe verdient. Arbeitgeber können sich vom Vorwurf der Geschlechgerdiskriminierung befreien – allerdings liegt die Beweispflicht bei ihnen. Im Falle der Landschaftlichen Brandkasse Hannover erklärte man, dass in der Gruppe der Abteilungsleiterinnen und -leiter eine Frau das höchste Einkommen verdiene. Dies wird als Beweis für ein qualifikationsbasiertes Entgeltsystem genutzt.
spiegel.de, sueddeutsche.de

Foto: Tingey Injury Law Firm; Unsplash

Zwei deutschen Traditionsbanken haben erstmals weibliche Vorstandsmitglieder: Die ApoBank und die Merck Finck sind zwei deutsche Banken, die auf eine lange Geschichte zurückblicken: Sie existieren seit rund 120, bzw. 150 Jahren – und haben 2021 das erste Mal je eine Frau im Vorstand begrüßt. Jenny Friese und Linda Urban brechen damit eine implizite Konvention. Obwohl der Frauenanteil im Bankenwesen rund 50 Prozent erreicht, waren im Herbst 2020 lediglich 11 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich. Friese kann dies bestätigen: „In der Finanzbranche sind zwar insgesamt ähnliche viele Frauen wie Männer beschäftigt, aber es ist in der Tat so, wenn man die Karriereleiter hinaufschaut, findet man immer weniger Frauen“, erklärt die neue ApoBank-Vorständin.
nzz.ch

H&M entlässt 800 Personen – vor allem Mütter betroffen? Die Modekette H&M steckt seit Jahren in einer Umbruchphase: Das stationäre Geschäft läuft lange nicht mehr so gut wie einst. Das Modehaus verschlief die frühe Einführung eines Online-Shops. Die Corona-Krise dämpfte das Geschäft zusätzlich. Nun soll H&M 800 Mitarbeiter entlassen wollen. Davon sollen insbesondere junge Mütter in Elternzeit betroffen sein. Zwar sind sie während ihrer Elternzeit von der Kündigung geschützt, allerdings können sie mit der Wiederkehr zum Arbeitsplatz entlassen werden. Diese Gruppe soll eine Abfindung erhalten. H&M dementiert – es handle sich dabei um ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden, das sich an alle Mitarbeiter richte: „Es richtet sich an alle Kolleg*innen aus unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen, die sich konkret für dieses Programm entscheiden können,“ heißt es in einer Mitteilung des Unternehmen.
businessinsider.de, wdr.de

Sozialministerium sieht Hinweise auf Benachteiligung von Frauen im Homeoffice: Das hessische Sozialministerium hat untersucht, weshalb Homeoffice verhältnismäßig selten in Anspruch genommen wird. Ein Grund soll dabei sein, dass es oft an der technischen Ausstattung mangeln würde. Bei genauem Hinsehen soll es Hinweise geben, dass Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund in puncto Homeoffice leichte Nachteile erfahren – sie sollen im Schnitt eine schlechtere Ausstattung haben und weniger Unterstützung von ihren Vorgesetzten erfahren.
sueddeutsche.de

  • Women in Tech: „Die Tech-Branche wird jeden Tag offener, vielfältiger und flexibler.“ jaxenter.de
  • Frauen, die Angehörige pflegen: „Meine Karriere ist im Eimer“ faz.net
  • Nigerias Fußballerin Onome Ebi: „Zeit, etwas zurückzugeben“ dw.com
  • Managerin Petra von Strombeck: „Ohne Quoten passiert zu wenig“ deutschlandfunkkultur.de
  • This Female Founder Left Her Executive Career To Launch Her Own Luxury Fragrance And Lifestyle Brand forbes.com
  • India’s freshly minted female entrepreneurs have big hopes from the 2021 budget qz.com
  • Why Kamala Harris is good for the economics profession theprint.in

Serpil Midyati ist eine deutsche Politikerin und Vorsitzende der SPD Schleswig-Holstein. Seit 2019 ist sie stellvertretende Bundesvorsitzende ihrer Partei. Midyati ist in Kiel geboren, trat 2000 in die SPD ein und legt ihre Schwerpunkte in der Bildungs-, Integrations- und Arbeitsmarktpolitik. Neben ihrer Arbeit in der SPD ist Midyati Vizepräsidentin des Heimatbundes Schleswig-Holstein.

Foto: Thomas Eisenkrätzer

Die ÖBB setzt sich eine Frauenquote von
50 Prozent

für Führungspositionen.
vienna.at

Klischees in MINT-Berufen schrecken Frauen ab: Laut Geschlechterforscher Dr. Yves Jeanrenaud stellen sich die meisten Deutschen IT-Experten und Beschäftigte in MINT-Berufen oft männlich vor. Das Klischee des „Nerd“ herrscht in vielen Köpfen. Für den dritten Gleichstellungsbericht erarbeitete Jeanrenaud die Effekte derartiger Stereotype. Demnach sind derartige dominante Muster ein Grund dafür, warum Frauen vor diesen Bereichen zurückschrecken – sie fürchten ihre Weiblichkeit einzubüßen oder deswegen auf Granit zu beißen. Es sei nötig mehr weibliche Vorbilder sichtbar zu machen. Die Vorurteile würden bereits früh in der Kindheit beginnen – es läge sowohl an Lehrern als auch an Eltern, Begeisterung unter Mädchen für IT und MINT zu fördern.
businessinsider.de

Gender-Perspektive in der Pandemie mitdenken: Karin Gutiérrez-Lobos, Fachärztin für Psychiatrie aus Wien, fordert in einem Gastbeitrag, die Geschlechterperspektive bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie mitzudenken. Dies zeige sich darin, dass Männer eine andere – oft schwächere – Immunreaktion bei Covid zeigen. Gleichzeitig ist das Infektionsrisiko für Frauen höher, weil sie häufiger in Berufen arbeiten, die körperliche Nähe zu Menschen voraussetzen. Die Pandemie müsse ganzheitlich gedacht werden – auch bei den Konsequenzen der Krise. Dort könne man beobachten, wie Frauen häufiger Probleme damit bekommen Kinderbetreuung und Beruf zu vereinbaren.
derstandard.de

DIW-Chef Fratzscher sieht Einschränkung der unternehmerischen Freiheit als temporärer Einschnitt zum mehr Freiheit und Chancengleichheit: DIW-Präsident Marcel Fratzscher unterstreicht, dass eine Mindestbeteiligung von Frauen in Vorständen sinnvoll ist. Der Vorwurf stimme, dass damit die unternehmerische Entscheidungsfreiheit partiell eingeschränkt wird – allerdings sei dies nur ein temporäres Phänomen. Studien aus den nordischen Ländern würden belegen, dass sich infolge einer Quote eine Dynamik entwickle, die die Quote obsolet mache. Langfristig würden sowohl Frauen wie Männer mehr Freiheit gewinnen und Unternehmen von einer neuen Fülle von Perspektiven profitieren.
zeit.de

Zum Glück zeigt eine Frau schon seit 16 Jahren, dass eine Frau Kanzlerin sein kann. Diese Frage wird jetzt umgemünzt, ob das eine Mutter kann. Da sollte man vielleicht einen Blick ins Ausland werfen.

Grünen-Politikerin Annalena Baerbock auf die Frage, ob eine Mutter Kanzlerin sein kann. In Neuseeland ist Premierministerin Jacinda Ardern während ihres Mandats Mutter geworden.
augsburger-allgemeine.de

Foto: Urban Zintel

Niederländische Unternehmerin gibt Mitarbeiterinnen periodenfrei: 20 bis 40 Prozent der Frauen leiden an beeinträchtigenden Begleiterscheinungen während ihrer monatlichen Regel. Die Unternehmerin Kristel de Groot gibt den Frauen in ihrer Firma sogenannte „Moon Days“ – die Frauen können entscheiden, ob sie von zu Haus arbeiten, einzelne Meetings absagen oder sich krankmelden. Die Akzeptanz dafür sei da, sagt die Unternehmerin. De Groot erklärt, dass Frauen produktiver sind, wenn sie nicht von Schmerzen geplagt sind.
deutschlandfunknova.de