KW 46: Mehr New Work – weniger Ambition? Söder spricht sich für Frauenquote aus

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ihnen ist möglicherweise aufgefallen, dass es längere Zeit keine Ausgabe des Female-Leader-Newsletters gab. Der Grund dafür lag schlicht in einer gesundheitlichen Herausforderung, der ich mich genauer widmen musste. Wenn man notgedrungen auf die Bremse drücken muss, tickt die Uhr anders und man sieht, dass gegenwärtig viele Menschen mehr Energie darauf aufwenden müssen, um zu funktionieren. In der Corona-Krise kommen einige sehr gut zurecht – sie haben einen guten, sicheren Job oder eine Partnerschaft, die die notwendige Stabilität gibt. Doch andere kämpfen mit Einsamkeit, dem Jobverlust, Reibung im Privaten oder schlicht der Anstrengung, alles normal wirken zu lassen – obwohl aktuell kaum etwas wirklich „normal“ ist. Dies spiegelt sich unter anderem darin wider, dass die Motivation zu führen insbesondere unter Frauen merklich gesunken ist in den vergangenen Monaten. Es ist verständlich, wenn weniger Menschen aktuell hoch hinaus wollen, wenn mehr Energie dafür aufgebracht wird, um das Fundament der beruflichen Weiterentwicklung bestehen zu lassen. Auch richtet sich der Fokus oft wieder auf das Private. Weniger Networking, teilweise weniger Projekte und weniger indirektes Wissen, das aus dem Team vermittelt wird – das belastet insbesondere junge Karrieren. Doch jede Krise vergeht – vielleicht schneller als gedacht. Man kann sich wünschen, dass die gegenwärtig schwierigen Erfahrungen einen Vorteil bringen: ein gewachsenes Verständnis für Schwächen und Belastung und mehr Transparenz bei diesen ganz normalen, menschlichen Herausforderungen.

Ihre Alice Greschkow

Mehr New Work – weniger Ambition?

Eine Studie der „Initiative Chefsache“ hat untersucht wie stark New Work in den Köpfen von Beschäftigten angekommen ist und wie es um ihre Ambitionen steht. Im September wurden 1000 Personen befragt und es zeigt sich: Die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf wird infolge von Homeoffice stärker wertgeschätzt, insbesondere bei Männern. 53 Prozent der Männer geben an, Homeoffice aus diesem Grund zu schätzen, bei den Frauen waren es 57 Prozent. Die Karriereambitionen haben allerdings im Vergleich zu einer Befragung im April nachgelassen – damals gaben noch 46 Prozent der Befragten an, eine Führungsposition anzustreben. Im September waren es hingegen lediglich 14 Prozent, die führen wollten – insbesondere bei Frauen hat die Motivation dazu nachgelassen. Nur jede 10. Frau strebte im September eine Führungsposition an. Die Erfahrungen im Pandemiejahr scheint zu mehr Bescheidenheit zu führen – die Hälfte der Befragten gab im September an zufrieden mit dem eigenen Job zu sein, während es im April lediglich ein Viertel war.
spiegel.de, initiative-chefsache.de

Söder spricht sich für Frauenquote aus – Merz bremst aus: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder spricht sich für deine Frauenquote für Vorstände in Dax-Unternehmen aus: „Ich bin für die Frauenquote. Ich bin übrigens auch dafür – das sage ich hier sehr deutlich – dass wir bei den Gesetzen, die jetzt in Berlin gemacht werden mit Vorständen, dass wir uns da jetzt noch mal einen Ruck geben und das dann auch vernünftig umsetzen müssen“, erklärte der CSU-Politiker. Ein Gesetzesvorschlag liegt von Familienministerin Franziska Giffey vor, bisher blockiert die Union. Für Söder gelte da Argument nicht, dass sich bei passender Qualifikation Frauen finden würden – die Integration von Frauen in Führungsebenen steigt nur langsam trotz eines immer größer werdenden Fundus an qualifizierten Frauen. Der CDU-Bewerber für den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur, Friedrich Merz, bremst die Idee der Quote – sie sei für ihn lediglich die „zweitbeste Lösung“.
tagesschau.de, n-tv.de, wiwo.de

Männer nehmen im universitären Raum mehr Zeit ein: Eine Studie der Universität Passau hat sich auf die unterschiedlichen Geschlechterrollen im akademischen Kontext fokussiert. Das Forscherteam analysierte dabei Redezeit und Besucherzahl auf wissenschaftlichen Konferenzen. Sie kamen zum Schluss, dass Männer häufiger ihre Redezeit überschreiten, sich häufiger melden und mehr Besucher anziehen. Auch wenn das Geschlechterverhältnis ausgewogen sei, würde sich dieses Muster durchziehen.
businessinsider.de

Österreichische Frauen verbuchen massive Gehaltseinbußen nach der Geburt eines Kindes – trotz Ausbau von Kita-Plätzen: Frauen in Österreich verdienen auch zehn Jahre nach der Geburt eines Kindes im Schnitt 51 Prozent weniger davor. Eine häufige politische Forderung, um diese Gehaltslücke zu schließen, ist der Ausbau der Kinderbetreuung. Ein internationales Forscherteam aus Zürich, London, Princeton und Edinburgh forscht zu den Effekten des Kita-Ausbaus und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: die Auswirkung des Kita-Ausbaus hat nur einen geringen Einfluss auf die Gehaltsverbesserungen. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass trotz Kita-Betreuung Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren – viele kehren nur in Teilzeit zurück ins Arbeitsleben, andere wiederum gar nicht. Dies prägt die Statistik. Allerdings konnten die Forscher eine geringere Gehaltslücke in Wien feststellen. Ob dies jedoch an der guten Betreuungssituation liegt oder der Tatsache, dass die Hauptstadt karrierebewusste Frauen anziehet, die häufiger in Vollzeit nach der Geburt eines Kindes arbeiten, konnten die Forscher nicht abschließend klären.
derstandard.de

Studie: Stärkerer Glaube – größeres Gender Pay Gap: Eine US-Studie legt nahe, dass in Ländern und Regionen, in denen der religiöse Glaube stärker verwurzelt ist, die Geschlechterunterschiede größer sind. Dabei sei es unwesentlich, um welche Religion es sich handle – je stärker der Glaube, umso mehr Macht und Geld wird auf Männer vereint. Die Theologin Margot Käßmann erklärt, dass dies damit zusammenhinge, dass Frauen nach Auffassung von Religionsführung den Glauben an der Basis praktizieren und damit an die nächste Generation weitergeben – dafür müssten sie jedoch zu Haus sein.
br.de

  • Frauen in den Meddien: ‚Frauen haben Angst, peinlich zu sein‘ horizont.at
  • Frauen und Diplomatie – im Glauben für die Zukunft dw.com
  • Frau Dr. h.c. unerwünscht zeit.de
  • Warum es nicht mehr ohne Frauenquote geht wiwo.de
  • Australian female artists are paid 30% less than men, new study reveals theguardian.com
  • WSU researcher addressing gender equity issues in information systems careers news.wsu.edu
  • Op-ed: Women are leaving the workforce in record numbers, crisis due to burnout cnbc.com

VORGESTELLT: Inga Höltmann, Expertin für Kulturwandel, New Work und Digital Leadership

Was waren die einschneidendsten Schritte in deiner Vita?
Ich bin in meinem Werdegang immer wieder an Kreuzungen angelangt, die mich stark geprägt haben. Eine erste wichtige Entscheidung war natürlich die Entscheidung, nach Berlin zu gehen und ein Studium aufzunehmen. Doch ebenso prägend war die Zeit danach, als ich mich auf Volontariate bewarb und schließlich, als es mir gelang, an einer Journalistenschule angenommen zu werden. Doch eine Erfahrung war besonders fruchtbar für mich: Das Scheitern meiner ersten Gründung, ein Online-Magazin. Ich hatte in den ersten Jahren meiner Selbständigkeit mit drei Mitstreiterinnen ein Online-Magazin gegründet, ein Projekt, das wir nach zweieinhalb Jahren miteinander beendeten. Das war eine Entscheidung, die ich ganz bewusst als Lernerfahrung angenommen habe – und weil mir das gelang, ist sie auf meinem folgenden Weg so außerordentlich wertvoll für mich geworden.

Wie beschreibst du deine Arbeit am besten?
Ich möchte, dass meine Arbeit inspirierend ist – für mich selbst, aber auch für die Menschen um mich herum. Ich versuche, Menschen in ihre Wirkungsräume zu führen und ihnen zu zeigen, wie sie handlungsfähig werden können. Ich unterstütze sie darin, ihre Hebel zu finden, um ihre Arbeitswelt zu verändern. Denn das ist es, wo Neue Arbeit für mich anfängt: Bei uns direkt im Alltag.

Was treibt dich an?
Ich habe eine starke Vision: Ich möchte das Arbeitserleben von einer Million Menschen positiv beeinflussen. Ich arbeite dafür, dass sich die Arbeitswelten in Deutschland verändern, so dass sie zukunftsfähig, nachhaltig, digital und human werden. Und ich setze dafür bei den Individuen an: Es ist mein Wunsch, den Menschen den Mut und die Instrumente an die Hand zu geben, ihre Arbeit zu verändern. Zu tiefgreifender und nachhaltiger Veränderung braucht es viel und es sind auch Veränderungen, die auf vielen Ebenen ansetzen – aber die individuelle Ebene ist mir die wichtigste.

Was machst du, wenn eine große Herausforderung ansteht?
Ich tue meistens zwei Dinge. Zuerst versuche ich mir ganz klar über die Fragestellung zu werden: Um was geht es eigentlich? Und was kann ich beitragen? Und das lasse ich dann ganz bewusst in mir arbeiten – tagelang, manchmal auch wochen- oder monatelang. Was ich außerdem tue: Ich spreche mit Menschen darüber. Hinaus in die Welt zu gehen und mit Menschen in den Austausch zu gehen, ist schon immer ein wichtiges Instrument für mich gewesen. Es hilft mir, meine Gedanken zu schärfen, wenn ich mich mit anderen Menschen daran abarbeite oder sie gemeinsam mit ihnen auf den Prüfstand stelle. Und es hilft mir auch darüber zu schreiben – auch das ist etwas, was mich dabei unterstützt, meine Gedanken zu ordnen.

Was gibst du anderen Frauen gerne als Karrieretipp weiter?
Geht raus in die Welt, seid offen und geht Wagnisse ein! Besonders das mit den Wagnissen ist mir wichtig: Lasst Euch nicht von Ängsten zurückhalten, sondern umgebt Euch mit Menschen, die Euch nach vorn begleiten und nicht solchen, die Euch zurückhalten. Und wenn ihr stolpert: Sofort wieder aufstehen!

Inga Höltmann ist Expertin für die Themen Kulturwandel in Unternehmen, New Work und Digital Leadership. Sie ist Gründerin der “Accelerate Academy”, einer Plattform für Neues Arbeiten und Neues Lernen, und außerdem ausgebildete Wirtschaftsjournalistin, zu ihren Auftraggebern gehören der Berliner Tagesspiegel und der Deutschlandfunk Kultur. Bekannt ist sie auch für ihre beiden Podcasts zur Zukunft der Arbeit, nachzuhören unter ingahoeltmann.de/podcast. Newsletter der Accelerate Academy: https://www.accelerate-academy.de/newsletter

Foto: Axel Kuhlmann

Im Homeoffice zu arbeiten verbessert bei
46 Prozent

der Frauen die Leistungsfähigkeit nach eigener Einschätzung.
heise.de

Lina Behrens sieht Benachteiligung von Frauen in der Startup-Szene: Lina Behrens ist Geschäftsführerin des Health-Startups „Flying Health“ und ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung die Gesundheitsversorgung revolutionieren kann. Sie ist ebenfalls davon überzeugt, dass es mehr Frauenförderung in der Startup-Szene braucht. Die Managerin hat über ein Jahrzehnt im Ausland gelebt und nahm bei ihrer Rückkehr nach Deutschland den Fortschritt in der Gleichberechtigung als sehr langsam wahr. Ihrer Auffassung nach ist eine große Hürde für Gründerinnen das geringe Risikokapital, welches in frauengeführte Startups investiert wird. Es herrschten noch starke Geschlechterstereotype. Als stellvertretende Präsidentin des Bundesverbands Deutscher Startups setzt sich Behrens für mehr Diversity ein – es würde der „wirtschaftlichen Vernunft“ folgen Frauen zu unterstützen, da diverse Teams und frauengeführte Unternehmen nachweislich eine höhere Rendite erzielen.
desired.de

Petra Scharner-Wolff sieht einen neuen, empathischeren Führungsstil: Die Finanz- und Personalvorständin der Otto Group, Petra Scharner-Wolff, fordert Frauen dazu auf, mutig zu sein und sich zu trauen zu scheitern. Sie selbst sieht einen Mangel an Vorbildern für Führungsfrauen, möchte jedoch selbst zu mehr Sichtbarkeit und Diversity beitragen. Ein neuer Führungsstil, der Kommunikationsstärke und Empathie wertschätzt, würde sich zunehmend verbreiten – davon können auch Frauen profitieren. Scharner-Wolff legt dabei auch großen Wert auf ein starkes Netzwerk von Führungsfrauen. In der Otto Group versucht sie aktiv den Kulturwandel mitzugestalten – Diversity wird dabei zum strategischen Anliegen. Dies läge auch daran, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse erzielen. Jungen Frauen empfiehlt sie groß zu träumen und zu versuchen ihre Ziele zu erreichen – dies erhöhe die Chancen darauf aufzusteigen.
fashionunited.de

Und auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein werde, werde ich nicht die letzte sein. Denn jedes kleine Mädchen, das heute Abend zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist. Und an die Kinder dieses Landes, ungeachtet eures Geschlechts, unser Land hat euch eine klare Botschaft gesendet: Träumt mit Ehrgeiz, führt an mit Überzeugung, und seht euch so, wie andere euch vielleicht nicht sehen, nur weil sie es vorher noch nie gesehen haben.“

Die gewählte neue Vizepräsidentin der USA, Kamala Harris.
focus.de

Foto: Von United States Senate – Diese Datei ist ein Ausschnitt aus einer anderen Datei: Kamala Harris official photo.jpg, Gemeinfrei

Volkswagen will mehr Frauen in der IT: Bei Volkswagen arbeiten im IT-Bereich ledigich 15 Prozent Frauen. Der Vorstand möchte dies ändern und sucht aktiv um mehr Frauen auf diversen digitalen Kanälen. Dabei soll auch eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine tragende Rolle bei der Rekrutierung spielen.
wuv.de