KW 47: Frauen in Vorstandspositionen verdienen mehr als Männer, Teilzeit rechnet sich oft kaum, Österreicherinnen befürchten größere Kluft zwischen den Geschlechtern

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vergrößert Corona die Kluft zwischen den Geschlechtern oder zwischen den sozialen Schichten? Oder passiert gar beides gleichzeitig? Die Tatsache, dass einerseits Dax-Vorständinnen mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen, könnte darauf hindeuten, dass sich die Kluft zwischen den Geschlechtern tendenziell eher schließt. Doch dann stolperte ich über eine Umfrage, die darauf schließen lässt, dass für Frauen, die nicht in den höchsten Positionen von Top-Unternehmen vertreten sind, eher das Gefühl haben, dass sich die errungenen Fortschritte in puncto Gleichstellung verpuffen.
Dies überrascht wenig – Frauen sind eben keine homogene Masse und insbesondere im Beruf sollte mittlerweile klar sein, wie unterschiedlich sie als Führungskräfte, Fachkräfte und Entscheiderinnen sein können. Weibliche Lebens- und Berufswege sind individuell. Allerdings bedeutet es im Umkehrschluss, dass vermeintliche Erfolge im Zuge der Gleichstellung keine Erfolge für die gesamte Frauenwelt sind. Wenn ein exklusiver Kreis an Managerinnen mehr Geld verdient, ist dies ein wesentlicher Schritt, um Stereotype zu verändern. Allerdings dürfen die Erfolge der Eliten nicht als Erfolge aller stilisiert werden. Einige Etagen tiefer könnte es nämlich andere Probleme geben.

Ihre Alice Greschkow

Studie: Frauen in einfachen Vorstandspositionen verdienen mehr als Männer: Die Beratungsgesellschaft EY hat einen Blick auf die Gehälter deutscher Vorstandsmitglieder der Dax-Unternehmen geworfen. Obwohl es keine Vorstandsvorsitzende in den Top-Unternehmen gibt, verdienen einfache weibliche Vorstandsmitglieder mehr als ihre Kollegen. In Dax-Konzernen verdienen Frauen im Schnitt 30.000 Euro mehr als Männer, in den 60 MDax-Unternehmen liegt der durchschnittliche Gehaltsvorsprung bei 115.000 Euro. Auch in SDax-Unternehmen verdienen die weiblichen Vorstandsmitglieder besser – nämlich sieben Prozent mehr. Allerdings sind die Anteile der Frauen in Vorständen durchweg niedrig: 12 Prozent der Vorstandsmitglieder in Dax-Unternehmen sind Frauen, bei den MDax-Unternehmen sind es sieben Prozent und im SDax lediglich fünf Prozent. Die Analysten von EY erklären, dass aufgrund der geringen Anzahl weiblicher Führungskräfte und den Bestrebungen zu mehr Diversity sich der Marktwert von Frauen erhöht hat. Jedoch sind in den vergangenen zwei Jahren – bereits vor Ausbruch der Corona-Krise – die Gehälter von Unternehmensvorständen aufgrund schwacher konjunktureller Entwicklungen gesunken.
faz.net

Österreicherinnen befürchten größere Kluft zwischen den Geschlechtern wegen Corona: Das Berufsportal Stepstone hat 1900 Österreicherinnen nach ihren Einschätzungen zu Beruf und Karriere befragt. Die Hälfte von ihnen befürchtet, dass sich infolge der Corona-Pandemie das das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern im Berufsleben wieder vergrößert, weil Frauen vermehrt in traditionelle Rollen rutschen. Ein Drittel der Frauen gab an, mit dem eigenen Job aktuell unzufrieden zu sein – vor der Krise lag der Wert bei acht Prozent. Dabei liegt dies nicht an der familiären Prioritätensetzung. 95 Prozent der befragten Frauen gaben nämlich an, dass ihnen der beruf (sehr) wichtig sei und rund die Hälfte möchte gerne aufsteigen. Dabei wollen sich 21 Prozent nicht an männliche Machtmechanismen anpassen.
ots.at

Investor will Frauen Mut machen: „Seid mutig, und lasst euch nicht abschrecken“, sagt Philipp Herkelmann zu Frauen, die mit dem Gedanken spielen, ein Unternehmen zu gründen. Er ist Deutschlandchef des Investment-Fonds Entrepreneur First, der sich vornehmlich auf den Aufbau von Bech-Unternehmen fokussiert. Herkelmann erklärt, dass von Frauen gegründete Startups oft sehr viel weniger Investitionen erhalten, was daran läge, dass Investoren ihre Unternehmen schlechter bewerten. Allerdings würde die Corona-Krise Bildung und Gesundheit viel stärker betonen – in diesen Branchen sind Frauen überrepräsentiert. Zudem würde eine junge Generation von Investoren nicht mehr an starren Rollenklischees festhalten und würde die Gründung einer Familie zunehmend als etwas Positives anerkennen. Die Zeiten, um eine Gründungsidee zu realisieren, würden für Frauen auch unter den aktuellen Corona-Belastungen zunehmend besser werden.
faz.net

Goldman Sachs testet Diversity: Goldman Sachs holt 60 neue Partner an Bord und verschreibt sich der Diversity. Traditionell ist das Unternehmen von weißen Männern geprägt, jedoch solle sich mit den neuen Partnern die Kultur – und voraussichtlich der Kundenkreis – verändern. Von den 60 neuen Partnern sind mit 32 noch immer mehr als die Hälfte weiße Männer, 16 sind Frauen, vier Männer sind schwarz, drei Partner haben einen hinpanischen und 10 einen asiatischen Hintergrund. Kritiker sehen in der neuen Rekrutierung lediglich eine PR-Maßnahme. Mit 60 Partnern ist die Anzahl der Neuanstellungen auf der Ebene so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Vor zwei Jahren lag die Zahl der neuen Partner bei 69, in den Jahren zuvor um die 100.
spiegel.de

Teilzeit rechnet sich oft kaum: Die Bertelsmann-Stiftung hat in ihrer kürzlich veröffentlichten Studie „Für wen lohnt sich Arbeit?“ vorgerechnet, wie das Steuersystem Frauen benachteiligt. Für Mütter, die in ihrer Familie Nebenverdienerinnen sind, bringt ein Minijob mehr als ein Teilzeitjob. Für Alleinerziehende ist die Steuerlast hingegen noch höher, insbesondere im Niedriglohnsektor. Arbeiten lohnt sich für manche praktisch nicht. Allerdings hat dies langfristig einen starken Einfluss auf die Rentenansprüche – und dies erklärt teilweise das Gender-Gap bei der Altersarmut in Deutschland.
sueddeutsche.de

  • Zusätzliches Geld für Frauen in der Wissenschaft forschung-und-lehre.de
  • „Vielen Frauen ist unklar, wie kooperativ die Arbeit von Informatikerinnen ist“ desired.de
  • Frau führt Großkanzlei: Sie ist die erste ihrer Art faz.net
  • Frauen bei der Bundeswehr: Ein zäher Kampf sueddeutsche.de
  • Women in Tech: „Unsere Kultur muss sich in Bezug auf Erwartungen an Frauen und Männer wandeln.“ entwickler.de
  • Frauen brauchen moderne Vorbilder: Mit Mentoring zu mehr Gleichberechtigung karriere.at
  • Frauenquote: Denn sie wissen, was sie tun zeit.de
  • Die unbemerkte Multi-Arbeit von Frauen derstandard.at

Beatrice Dixon ist die Gründerin der Honey Pot Company. Die US-Amerikanerin hat mit ihrer Firma eine Reihe von Produkten für die weibliche Intimhygiene entwickelt, die ausschließlich auf natürlichen Inhaltsstoffen basieren. Die 38-Jährige startete 2014 ihr Unternehmen mit einem Kredit in Höhe von 21.000 Dollar. Ihr Bruder und Mitgründer lieh ihr das Geld. Allerdings hatte sie nach Erfahrungen im Pharmaziebereich sowie im Vertrieb große Zuversicht, dass sich ihre Idee auszahlen würde. Dixon hatte selbst Erfahrungen mit Reizungen durch Kosmetikprodukte und wollte Frauen eine bessere Alternative bieten. Dixon empfiehlt Frauen besonnen mit Investitionen umzugehen. Investoren erwarten Renditen – darauf solle man sich einlassen, wenn ein man ein gutes Geschäftsmodell gefunden hat, meint die Gründerin.
thehelm.co

Foto: Instagram

Der Anteil der weiblichen Führungskräfte ist seit 2015 um
4 Prozent

in der Gesundheitsbranche gesunken.
deutsche-apotheker-zeitung.de

Klarna-CFO Giesecke: Es geht um’s Tempo: Camilla Giesecke ist CFO beim Zahlungsanbieter Klarna und bewegt sich in einem dynamischen und sich schnell verändernden Umfeld. Das schnelle Tempo bestimmt die Branche – für sie ist die Bereitschaft und Fähigkeit schnell zu lernen, essenziell. Im Interview erklärt die Finanzexpertin, dass es sich lohnt, seine Komfortzone zu verlassen, um beruflich erfolgreich zu werden. Gleichzeitig hat sie in ihrem Werdegang selbst erfahren, mit welchen Geschlechterstereotypen Frauen umgehen müssen, wenn sie erfolgreich sind. Der Interessenkonflikt zwischen Familie und Beruf spiele die entscheidende Rolle für die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen in der Branche. Giesecke sieht Führungskräfte in der Verantwortung: „Veränderung erfordert, dass starke und zukunftsorientierte Personen die Führung übernehmen und bessere Bedingungen für Inklusion am Arbeitsplatz schaffen.“
vogue.de

AllBright-Geschäftsführerin Ankersen sieht nur langsame Veränderung in puncto Gleichstellung: Dr. Wiebke Ankersen ist Geschäftsführerin der AllBright Stiftung, einer Organisation, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter im Berufsleben einsetzt. Sie sieht bis heute eine Reihe von strukturellen Problemen, die Frauen in ihrer beruflichen Weiterentwicklung hindert. Es sei kein Zufall, dass die eigentlich individuellen Entscheidungen bei der Geburt eines Kindes in Teilzeit zu gehen, so häufig greift. Das gesellschaftliche Muster, dass der Mann der Hauptverdiener ist und die Frau lediglich dazuverdient, sei in vielen Köpfen noch verbreitet. Frauen sollten laut Dr. Ankersen mit ihren Partnern die Logistik des Privatlebens verhandeln. Deutschland hinke im internationalen Vergleich zudem hinterher, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht. In Staaten wie Großbritannien, Schweden oder den USA sei es nicht mehr akzeptabel Entscheidungsgremien nur mit Männern zu besetzen, wie es in Deutschland mehrheitlich der Fall ist.
desired.de

Der autoritäre Kampf gegen die Gleichstellung ist eine Folge des neoliberalen Wandels: Autorin Susanne Kaiser beobachtet und analysiert, mit welch einer Wucht gegen erfolgreiche Frauen, Feminismus und Gleichstellung seitens autoritär eingestellter Kräfte gearbeitet wird. Sie sieht darin eine Folge des neoliberalen Wirtschaftswandels, der seit den 1990-ern viele Beschäftigungsverhältnisse entwertete. Dieser Trend hat insbesondere Männer getroffen. Mit autoritären Impulsen würde man versuchen den Machtverlust auszugleichen. In ihrem Tagesspiegel-Essay schreibt die Autorin: „Es geht eben nicht darum, dass Männer ihre Jobs verlieren, sondern darum, dass Männer gewohnt sind, sichere Jobs zu haben, und glauben, sie hätten einen Anspruch darauf. Für diese Männer bedeutet der neoliberale Wandel einen Abstieg auf die Positionen, die Frauen gewohnt sind. Das wollen sie verhindern.“
tagesspiegel.de

Ohne Frauen ist kein Staat zu machen, daher erhalten Frauen bei uns auch die Chancen, sich aktiv einzubringen.“

SPD-Politikerin Dr. Daniela De Ridder fordert gute Bedingungen für Frauen zu schaffen, um politisches Engagement zu ermöglichen.
ems-vechte-surfer.de

Foto: Dr. Daniela De Ridder

In eigener Sache: Diese Woche wurde ich in die Reihe der „LinkedIn Top Voices 2020“ aufgenommen. Darüber freue ich mich sehr! Es ist schön zu sehen, dass auf der Liste eine Reihe von klugen und interessanten Frauen zu finden ist wie DB-Cargo-Vorstandsvorsitzende Sigrid Evelyn Nikutta, D21-Geschäftsführerin Lena-Sophie Müller oder herCareer-Gründerin Natascha Hoffner. Auf der Plattform schreibe ich regelmäßig über die Transformation der Arbeitswelt und wie sich das Verständnis von Arbeit verändert. Lust auf Austausch? Mein Profil ist im Intro verlinkt! Die vollständige Liste gibt es hier: linkedin.com