KW 7: Online-Hass gegen Frauen führt zu Selbstzensur, Esa sucht Astronautinnen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

oft wirkt es, als würden Veränderungen unfassbar langsam vorangehen. Dass dies allerdings nicht stimmt, zeigen die großen internationalen Wirtschaftsorganisationen. Mit Ngozi Okonjo-Iweala bekommt die Welthandelsorganisation ab dem 1. März eine Frau als Chefin. Damit ist die Nigerianerin in bester Gesellschaft: Die Bulgarin Kristalina Georgieva sitzt seit 2019 dem Internationalen Währungsfonds vor und die Europäische Zentralbank wird von Christine Lagarde geführt. Vor einigen Jahrzehnten wäre es noch unvorstellbar gewesen, dass Frauen die Weltwirtschaft gestalten. Heute grenzt es an eine Selbstverständlichkeit.

Ihre Alice Greschkow

Online-Hass gegen Frauen führt zu Selbstzensur:

Die sozialen Medien sind ein hartes Pflaster – insbesondere, wenn man eine Person des öffentlichen Lebens ist. Politikerinnen auf allen Ebenen erleben massive Anfeindungen, Beleidigungen und Drohungen. Während auch Männer Opfer von Gewaltaufrufen und Drohungen werden, fällt bei Frauen auf, dass die Beleidigung mehrheitlich eine explizit geschlechtsbezogene Dimension haben. Frauen werden als „Huren“ bezeichnet, ihnen wird mit Vergewaltigung gedroht, man fordert, dass sie „zurück an den Herd“ gehen oder erklärt, sie seien „nur für’s Bett tauglich“. Von den 222 weiblichen Bundestagsabgeordneten haben einer Spiegel-Umfrage zufolge 69 Prozent Online-Hass gegen ihre Person erlebt. Mehr als jede Fünfte hat Angriffe auf ihr Büro oder Wohnung erfahren. Es handelt sich dabei um ein globales Phänomen. Eine Erhebung unter schwarzen Kommunalpolitikerinnen zeigte, dass vier von fünf Frauen sexistische Angriffe online erhalten hat. Weltweit kommen sexistische Diffamierungen am häufigsten seitens männlicher Politiker – dies berichten 65 Prozent der weiblichen Abgeordneten aus 39 Ländern. Die Online-Hetze betrifft allerdings auch Mädchen und Frauen, die kein öffentliches Amt ausführen. Und oft erreichen die organisierten Hetzer ihr Ziel: Unter 14.000 Befragten in 22 Nationen berichten 38 Prozent, dass sie ihre Online-Präsenz zurückfahren und sich selbst zensieren, nachdem sie mit Online-Gewalt konfrontiert wurden.
spiegel.de

Foto: Charlotte May/ Pexels

Esa sucht Astronautinnen: Erstmals seit zehn Jahren sucht die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) Berufsastronautinnen und -astronauten. Vier bis sechs Personen sollen für Raumfahrtmissionen angestellt werden. Die Esa wolle insbesondere auf Diversität und Vielfalt achten und sucht aktiv nach geeigneten Kandidatinnen. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 28. Mai. Bewerben kann sich jeder mit einem Masterabschluss – bevorzugt im MINT- oder Medizin-Bereich – sowie einer medizinischen Bescheinigung.
stern.de

Kryptowährungspionierin Diana Biggs steigt bei Valour ein: Die Kryptowährungspionierin und frühe Bitcoin-Vordenkerin Diana Biggs hat sich dem in der Schweiz ansässigen Startup Valour angeschlossen und wird dessen neue Geschäftsführerin. Valour lässt Anleger digitale Vermögenswerte einfach über ihre Bank oder ihren Broker kaufen. Biggs erforschte 2017 mit ihrem Unternehmen Proof of Purpose das Potenzial der Blockchain-Technologie zur Lösung humanitärer Herausforderungen. Ihre TEDx-Rede über Blockchain-Technologie in diesem Jahr wird von vielen im Blockchain-Bereich als eine der besten angesehen.
techcrunch.com

Frauenanteil in Dax-Vorständen erreicht fast 18 Prozent: Mehrere Unternehmen haben zu Jahresbeginn Managerinnen in ihre Führungsebene berufen. Bei Adidas leitet die Britin Amanda Rajkumar nun das Personalressort. Die Taiwanerin Sarena Lin ist hingegen Bayers neue Chief Information and Talent Officer. Digitalisierungsexpertin Victoria Ossadnik gehört mit dem Digitalressort zur Vorstandsebene von Eon. BASF hat mit Melanie Maas-Brunner und Saori Dubourg zwei Frauen in den Vorstand geholt. Bei Dax-Unternehmen beträgt der Frauenanteil in Führungspositionen nun 17,8 Prozent.
manager-magazin.de

  • Vom Azubi zum Vorstandsmitglied: Eine Expertin verrät, wie ihr die Karriere aufbaut, die zu euch passt businessinsider.de
  • Initiativen für Frauen: IT reimt sich auf „sie“ faz.net
  • Bernardine Evaristo: „Mädchen, Frau, Etc.” – Der Roman als Resonanzraum deutschlandfunk.de
  • Could ‘returnships’ for moms who’ve left the workforce help solve women’s economic crisis? fortune.com
  • Meet 2 Female Founders Aiming To Close The Gender Pay Gap, 80% Of Which Can Be Attributed To The ‘Motherhood Penalty’ forbes.com

Ngozi Okonjo-Iweala ist eine nigerianische Ökonomin und neue Chefin der Welthandelsorganisation WTO. Am 15. Februar wurde sie als Direktorin der Organisation gewählt, ihre Amtszeit beginnt am 1. März. Sie hat an der Harvard Universität sowie am renommierten Massachussets Institute of Technology (MIT) studiert und blickt auf eine 25 Jahre lange Karriere bei der Weltbank zurück. In Nigeria war Okonjo-Iweala zwei Mal Finanzministerin und einmal Außenministerin. Während dieser Zeit trieb sie unter anderem Projekte für die Förderung von Unternehmertum sowie Chancengleichheit für Mädchen an.

Foto: International Monetary Fund (photographer uncredited) – IMF Photographic archives, Public Domain

Von den ungewollt kinderlosen Frauen geben
39 Prozent an,

beruflicher Stress sei der Hauptgrund für ihre Kinderlosigkeit.
fr.de

Warum kaum Universitäten nach Frauen benannt sind: Ob nach Monarchen, Wissenschaftlern oder Poeten – Deutschlands Universitäten tragen oft den Namen bekannter Männer. 96 Prozent aller Hochschulen haben einen männlichen Patron. Zu den Ausnahmen gehört die Alice-Salomon-Hochschule für Soziale Arbeit sowie die Palucca Hochschule für Tanz in Dresden. Dass es historisch Frauen nicht gestattet war, sich höher zu bilden, ist ein wesentlicher Grund für die Diskrepanz. Die Umstände, dass erst Zeit vergehen muss, um zu sehen, ob Erkenntnisse und Errungenschaften einen zeitlosen Wert haben und die Patronage in der Regel erst posthum vergeben wird, führt zu einem kleinen Pool an möglichen Namensgeberinnen. Außerdem wurden Frauen in der Wissenschaft oft systematisch ausgegrenzt. So wurde beispielsweise die Physikerin Lise Meitner nicht mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, obwohl sie mit ihrem Kollegen Otto Hahn an der Kernspaltung gearbeitet hat. Barbara Stollberg-Rilinger, Rektorin des Wissenschaftskollegs Berlin, spricht sich gegen Umbenennungen von Universitäten aus. Im zeitlichen Verlauf verändern sich Sichtweisen und Werte. Ihrer Auffassung nach soll auf Namensgebungen verzichtet werden.
faz.net

Gender-Pay-Gap in der Wissenschaft bleibt hoch: Frauen in den USA und Kanada verdienen in allen Disziplinen weniger als Männer in der Wissenschaft. Zwei Studien belegen, dass unabhängig vom Fach die Gehaltsschere bleibt. Die Ökonomin Michael Roach von der Cornell Universität mutmaßt, dass die Gehaltsunterschiede, die je nach Disziplin über 20.000 Dollar betragen, mit Verhandlungsstrategien zwischen den Geschlechtern zusammenhängen. Familiengründung sei ein weiterer Aspekt, der zu den Gehaltsunterschieden beitrage. Laut Roach könnten allerdings nicht alle Gehaltsunterschiede auf individuelle Lebensentwürfe zurückgeführt werden.
nature.com

Als ich die ersten Shitstorms erlebt habe, habe ich darauf gewartet, dass andere auf mich zukommen und Unterstützung anbieten. Aber so funktioniert das nicht.
Die Berliner Politikerin Sawsan Chebli über ihre Erfahrungen mit Hetze im Internet.
watson.de

Foto: usbotschaftberlin (Elke A. Jung-Wolff) – U.S. Embassy Berlin Celebrates the 243rd Anniversary of Independence of the United States of America, July 2019, Gemeinfrei

Frauen fühlen sich im Homeoffice produktiver als Männer: Millionen von Menschen sind gegenwärtig im Homeoffice. Frauen scheinen zumindest bei der Konzentration und dem Fokus besser zurechtzukommen: 40 Prozent gaben an, mehr im Homeoffice zu schaffen. Bei den Männern waren es hingegen 36 Prozent.
pressebox.de