KW 9: Corona fördert Gender Time Gap, Frauen auf in die Dorfpolitik, Frauenstudie in der Schweiz

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am kommenden Montag ist Weltfrauentag. An diesem sollen wir über die erzielten Fortschritte reflektieren, zu Veränderungen aufzurufen und Taten des Mutes und der Entschlossenheit von Frauen feiern: Gerechtigkeit, Würde, Hoffnung, Gleichheit. Frauen stehen seit Ausbruch der Corona-Pandemie an vorderster Front – in Form von Gesundheitspersonal, Pflegerinnen, Organisatorinnen von Gemeinschaften, Mütter, Ehefrauen. Und sie erweisen sich als einige der vorbildlichsten und effektivsten nationalen Führungskräfte im Kampf gegen die Pandemie.

Prost, auf uns Frauen!

Ihre Alice Greschkow

Corona fördert Gender Time Gap: Damit Frauen eine Chance haben, müssen sich Politik und Unternehmen für mehr Geschlechtergerechtigkeit stark machen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat gezeigt, dass sich der Anteil der Familien, in denen die Frau die Kinderbetreuung fast vollständig alleine stemmt, verdoppelt hat. Dabei führte der erste Lockdown für einen sehr starken Gender Time Gap. Im April 2020 reduzierten 24 Prozent der Mütter ihre Arbeitszeit. Bei Männern lag der Anteil bei 16 Prozent. Weiterhin war in Deutschland bereits vor der Krise fast jede zweite Frau in Teilzeit beschäftigt, hingegen nur elf Prozent der Männer. Auf der Podiumsdiskussion der Munich Economic Debates des ifo Instituts erklärten Monika Schnitzer, als Wirtschaftsweise Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Aufsichtsrätin Janina Kugel und Wirtschaftsforscherin Michèle Tertilt von der Universität Mannheim, dass die Pandemie, anders als bei Wirtschaftskrisen, eine Krise der Frauenarbeitszeit sei. Dabei könnten politische Mittel wie eine Individualbesteuerung nach dem Vorbild Schwedens Abhilfe schaffen, so Kugel, Tertilt und Schnitzer. Auch könnte eine Reform und die Abschaffung des Ehegattensplittings zu mehr Geld für Bildung und ein Gender-gerechtes Budgetieren im Bundeshaushalt führen.
businessinsider.de

Bildquelle: Stockfoto-Nummer: 1871691655 von pedrosala

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Gastronomie nach Corona: Ob Restaurant oder Hotel, das Gastgewerbe leidet stark unter der Coronakrise. Umso wichtiger ist es, sich heute schon Gedanken über den Neustart nach dem Lockdown zu machen: Wie müssen sich Betriebe neu aufstellen? Wann gilt es, das eigene Portfolio zu überarbeiten – und wie? Wir treffen Erich Nagl, den Leiter der ETL ADHOGA, der Expertin in Sachen Steuern, Recht und Unternehmensführung für Hoteliers und Gastronomie zum Gespräch. youtube.com

Frauen auf in die Dorfpolitik! Qualifizierte Frauen verlassen strukturschwache Gegenden, da es in diesen sowohl an qualifizierten Jobs, Bildung, Mobilität als auch Kinderbetreuung fehlt. Würden in den Gemeinden mehr Frauen sitzen, könnte man dies ändern. Denn sie wissen, wie man eine Landgemeinde attraktiver machen könnte: mehr Kinderbetreuung und öffentliche Verkehrsmittel. Leider besetzen in Österreich gerade einmal neun Prozent Frauen Bürgermeisterposten. In 40 Kommunen gibt es keine einzige Frau im Gemeinderat. Der Grund liegt in der traditionellen Aufgabenverteilungen im Haushalt: Frauen tragen die Hauptlast mit der Kinderbetreuung und dem Haushalt. Denn will Frau gewählt werden, muss sie zu Vereinsfeiern, Stammtischen und/oder Gemeinderatsitzungen, die oft am Abend stattfinden – wenn die Kinder schlafen gelegt werden müssen.
derstandard.at

Frauenstudie in der Schweiz: Obwohl zwei Drittel der befragten Frauen die Gleichstellung in vielen privaten und öffentlichen Bereichen als verwirklicht ansehen, sind dennoch 72 Prozent sind der Meinung, dass es in der Schweiz Vorteile habe, ein Mann zu sein. Jede zweite Frau in der Schweiz ist finanziell von ihrem Partner abhängig. Umso weniger erstaunlich ist daher, dass über 80 Prozent der Befragten angeben, bedeutend mehr Haushaltsarbeit zu leisten als ihre Männer.  So sehen etwa 40 Prozent der Frauen Handlungsbedarf in Sachen Gleichstellung in der Arbeitswelt. Zudem lautet die wichtigste Forderung: gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
nzz.ch

Frauen sind vielfach auf Grundsicherung angewiesen: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind Frauen besonders in der Corona-Pandemie häufiger auf die Grundsicherung angewiesen als Männer. Der Anteil der Frauen, deren Einkommen nicht mehr für den Lebensunterhalt reicht, liegt bei 51 Prozent. Dies sei auch der Kurzarbeit geschuldet, teilte die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen mit. Am Donnerstag will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nun über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Arbeitnehmerinnen diskutieren.
zeit.de

 

Frauen in Brandenburg fordern Mitbestimmung und gleiche Bezahlung moz.de

Die italienische Gesellschaft ist äußerst sexistisch, meint Schriftstellerin Michela Murgia hinsichtlich der Unterrepräsentation von Frauen im Kabinett des neuen Premiers Draghi sueddeutsche.de

Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow als weibliche Doppelsitze der Linken zeit.de

Argentinien: Kann die Änderung des Abtreibungsgesetzes durch ein Land einen Kontinent verändern? bbc.com

EU will Lohnlücke zwischen Männern und Frauen schließen faz.net

Human Rights Watch: Größere Fortschritte bei Frauenrechten in den Vereinigten Arabischen Emirate nötig hrw.org

Zara Mohammed wurde am 1. Februar als erste Frau und mit 29 Jahren zur jüngsten Generalsekretärin des Muslim Council of Britain gewählt – dem größten muslimischen Vertretungsgremium des Landes. Die gebürtige Glasgowerin studierte an der University of Strathclyde Rechtswissenschaften und absolvierte einen LL.M in Menschenrechte. Sie hofft, dass ihre Nominierung Frauen ermutigt, Führungsrollen zu übernehmen. Frauen würden manchmal zögern, Führungsrollen zu übernehmen, obwohl sie dafür mehr als qualifiziert seien, so Mohammed.
weforum.org

Bild: The Times/ James Glossop

Bereits im März 1911 gingen
etwa eine Million Frauen

in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und in der Schweiz für ihre Rechte auf die Straße. Es vergingen weitere 64 Jahre bis die UNO 1975 schließlich den 8. März zum „International Women’s Day“ erklärte.
ndr.de

Preisdiskriminierung – Drogerieprodukt und der Friseurbesuch sind für Frauen teurer: Frauen zahlen für vergleichbare Drogerieprodukt wie etwa für den Rossmann Rasierschaum 109 Prozent mehr als Männer. Auch kosten pinke Rasierklingen 4,49 Euro, während die blauen Rasierklingen, die Männer ansprechen sollen, 3,89 Euro kosten. Doch Drogeriemärkte Rossmann und DM versichern, dass diese Preise auf die verschiedenen Verpackungen und auf die unterschiedlichen Mengen zurückgeführt werden könnten. Dahinter stecke keine diskriminierende Systematik, sondern eine laufend angepasste Preisfindung, erklärte ein Rossmann-Sprecher.
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat den ersten großen Forschungsbericht über Preisdifferenzierung nach Geschlecht in Deutschland in Auftrag gegeben. Dabei wurde festgestellt, dass bei 1682 gleichartigen Produkten nur bei knapp 3,7 Prozent ungleiche Preise vorliegen. Bei den Dienstleistungen wie etwa der Friseurbesuch oder die Reinigung eines Kleidungsstückes ergaben sich deutlich größere Preisunterschiede: Von insgesamt 381 untersuchten Dienstleistungen hatten 59 Prozent unterschiedliche Preise – 50 Prozent waren dabei für Frauen und 9 Prozent für Männer teurer.
Die sogenannte „Pink Tax“ ist den Ländern niedrig, in denen vermehrt Frauen politische Ämter bekleiden. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universität Rice in Texas. Damit könnte die politische Repräsentation einen direkten Einfluss auf mögliche Preisdiskriminierung haben.
faz.net

Studie: Frauen werden bei Spitzenjobs in deutschen Orchestern systematisch benachteiligt:
Während sich der Anteil von Frauen in den deutschen Symphonieorchestern seit 1960 von drei Prozent auf 39,6 Prozent zwar verzehnfacht hat, fällt der Frauenanteil in den besser bezahlten Dienstpositionen deutlich geringer aus. Frauen spielen überwiegend in der Regionalliga. Es gibt weniger als ein Drittel Konzertmeisterinnen. Der Frauenanteil in höheren Dienstpositionen wie Konzertmeister, Stimmführer, Bläsersolist liegt bei nur 21,9 Prozent. Demzufolge halbiert sich der durchschnittliche Frauenanteil in deutschen Orchestern dann, je stärker die Position künstlerisch exponiert und je besser bezahlt sie ist. Der Studie zufolge gehören zu den Gründen, dass Männer nach wie vor eine stärker wirtschaftlich orientierte Karriereplanung verfolgen als Frauen. Auch seien die Kinderbetreuungsangebote noch immer unzureichend auf die Arbeitszeiten ausgerichtet: Konzerte am Abend und am Wochenende erschweren die Lage. Zwei Drittel aller Mütter arbeiteten deshalb in Teilzeit, erklärt Christine Christianus, Frauenbeauftragte des Staatsorchesters Saarbrücken. Das habe nicht nur Gehaltseinbußen, sondern auch Probleme in der Altersvorsorge zur Folge
faz.net

„Deutschland hat gleichstellungspolitischen Aufholbedarf.“ 

Dr. Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, bemängelt die weiterhin große Lohnlücke zwischen Männer und Frauen in Deutschland.
rnd.de

Quelle: DIW Berlin

Bürgermeisterposten: Bürgermeister Josef, 60 plus: Den typischen Bürgermeister führe in den Köpfen der Menschen am besten ein Josef aus, 60 plus, erklärt Bernadette Schöny, jüngste Bürgermeisterin Österreichs. Würde man Mädchen allerdings gleich vermittelt, dass sie starke Indianer sein müssen und nicht nur mit der Puppe zu spielen haben, dann würden sie auch mutig werden. Dies bestätigt auch  Tanja Kreer, SPÖ-Bürgermeisterin von Straßwalchen. Männer seien immer von sich selbst überzeugt und Frauen sehr bescheiden, erklärt sie. Um sich von dem Bild des alten Josefs, 60 plus, zu lösen, und mehr junge Frauen für Kommunalpolitik zu begeistern, bedarf es direkter Ansprache und der Zusicherung von Unterstützern, gerade von männlicher Seite, meint Elisabeth Blanik, Bürgermeisterin von Lienz.
derstandard.at